Fairtrade Awards 2026: Das sagen die Gewinner
Am 18. Juni wurden zum zehnten Mal die Fairtrade Awards verliehen. Die Gewinner aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind sich einig: Der Preis motiviert sie dazu, sich noch stärker für den fairen Handel einzusetzen.
Die Fairtrade Awards gelten als wichtigster Preis für Akteure des fairen Handels. Am 18. Juni wurden sie in Berlin verliehen, durch den Abend führte Anke Engelke. Eigentlich moderiert sie nicht mehr, für die Fairtrade Awards macht sie aber alle zwei Jahre eine Ausnahme. Zusätzlich zeigten viele prominente Fürsprecher*innen Flagge für den fairen Handel. Zu den Laudator*innen des Galaevents im Berliner Wintergarten zählten Susan Hoecke, Leonard Kunz, Marie Nasemann, Alli Neumann, Marike Runneboom de Peña, Jessica Schöne und Lavinia Wilson.
Reem Alabali Radovan, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung plädierte in einem Grußwort für mehr Fairness im Welthandel. „Fairtrade zeigt eindrucksvoll: Die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft bewegt vieles. Fairer Handel bringt Menschen zusammen – vom Anbau bis zum Verkauf. Er zeigt, wie wir den weltweiten Handel gerechter und nachhaltiger machen können“, so die Bundesministerin.
LIDL, Mela und Brands Fashion punkten in den Business-Kategorien
Über 500 Lizenzpartner bieten Fairtrade-Produkte an – und konnten sich somit für die Fairtrade Awards 2026 bewerben. In der Kategorie „Unternehmen“ setzte sich LIDL gegen eine starke Konkurrenz durch. „Gemeinsam mit Fairtrade arbeiten wir seit nunmehr 20 Jahren daran, faire und nachhaltige Produkte für Millionen von Menschen zugänglich zu machen und damit Nachhaltigkeit zu demokratisieren. Wir verstehen den Award als Auszeichnung für das gesamte Team: Von unseren Partnern und Lieferanten im Ursprung bis hin zu unseren Teams hier vor Ort in Deutschland und Europa. Der Gewinn spornt uns nun noch einmal besonders an für den nächsten großen Projekt-Meilenstein: Die konkrete Umsetzung des Living Income Programms vor Ort in Ghana und Côte d'Ivoire und damit die aktive Förderung existenzsichernder Einkommen", sagt Christoph Pohl, Chief Merchandising Officer der Lidl Stiftung & Co. KG.
In der Kategorie „Newcomer“ holte Mela sich mit den „Super Sustainabilty Socks“ den Sieg. Als beste „Projektkooperation“ wurde „Vom Feld in den Fanshop“ geehrt. Gemeinsam mit der GIZ und diversen Profifußballclubs unterstützt Fairtrade-Partner Brands Fashion Fairtrade Baumwollbauern und ihre Familien in Indien bei der Umstellung auf Bio-Baumwolle und erreicht Millionen Fußballfans, die ihre Fanshirts nun in Fairtrade-Qualität erhalten. „Der Fairtrade Award macht sichtbar, worauf es bei unserem Projekt ankommt: das Engagement aller Projektpartner und die Notwendigkeit, sich für fairen Baumwollanbau, eine nachhaltigere Textilindustrie und bessere Perspektiven für Kinder und Jugendliche in Indien einzusetzen“, so Rabea Schafrick, Head of Sustainability bei Brands Fashion. „Gleichzeitig zeigt die Auszeichnung, was möglich ist, wenn viele Akteure an einem Strang ziehen. Rivalität auf dem Fußballplatz, gemeinsames Wirken für nachhaltige Entwicklung im globalen Süden.“
Zivilgesellschaftliches Engagement: Weltladen Remagen-Sinzig, Fairtrade-School Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen und Climate Stories überzeugen
Fairtrade ist eine globale Community, die von den vielen verschiedenen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Engagierten aus der Zivilgesellschaft lebt. Es gibt allein in Deutschland bereits über 940 Fairtrade-Towns, 1.036 Fairtrade-Schools und 53 Fairtrade-Universities – dazu kommen über 30 Mitgliedsorganisationen und viele weitere Aktive. Wie breit aufgestellt dieses Engagement ist, zeigen auch die Preisträger der zivilgesellschaftlichen Kategorien. In der Kategorie „Gesellschaftliches Engagement“ bringt der Weltladen Remagen-Sinzig e.V. den Sieg nachhause. „Der Preis bedeutet für uns zuerst einmal Anerkennung für viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit, insbesondere auch in Bildungsarbeit. Und wir erhoffen uns auch noch mehr Bekanntheit und Schwung für mehr Interesse an Fairtrade allgemein und der zugrundeliegenden Einstellung, dass alle Menschen weltweit die gleichen Rechte auf ein würdiges Leben haben. Wir wollen das Bewusstsein stärken, dass jede und jeder von uns jeden Tag etwas für mehr Gerechtigkeit tun kann: zum einen beim Konsum auf faire Waren zu achten und zum anderen aber auch, bei menschenverachtenden, ausgrenzenden oder rassistischen Äußerungen zu reagieren, diese nicht hinzunehmen und klar Stellung zu beziehen“, so Silke Olesen, Sprecherin des Weltladen Remagen-Sinzig. In der Kategorie „Next Generation“ setzte sich die Fairtrade-School Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen durch.
Als herausragendstes „Fairhandels-Projekt“ wurden die Climate Stories der Fairventures Worldwide gewählt. Mathias Schweikert von Climate Stories: „Der Preis bedeutet für uns vor allem mehr Sichtbarkeit für die Stimmen junger Menschen aus dem Globalen Süden, die in der Klimadebatte noch viel zu selten gehört werden. Ihre Geschichten und Perspektiven zeigen, dass Klimagerechtigkeit nur gemeinsam und im Austausch gelingen kann.“ Tobias Schäfer ergänzt: „Die jungen Menschen, die ihre Geschichten teilen, machen Climate Stories erst möglich. Die Auszeichnung bestärkt uns darin, weiterzumachen und uns gemeinsam mit ihnen für mehr Klimagerechtigkeit einzusetzen.“
Publikumspreis geht an Fairtrade-School
Mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen wurde das Online-Voting zum Publikumspreis wurde auf den letzten Metern noch einmal so richtig spannend. Mit 2.642 Stimmen konnte sich der Arbeitskreis Fair Trade des Camerloher-Gymnasiums in Freising durchsetzen: Seit 15 Jahren setzt sich der Arbeitskreis für faire Löhne und gegen Kinderarbeit ein. Mit diesem Engagement überzeugten sie die Fairtrade-Community und bringen den Publikumspreis nach Bayern. „Gerade wir als Schülerinnen und Schüler denken oft, dass wir nicht wirklich etwas in der Welt verändern können. Doch diese Ehrung zeigt uns, dass es eben nicht so ist. Wir werden gesehen und gehört. Wir können etwas verändern“, so Paula Bäuerle für den AK Fair Trade des Camerloher-Gymnasiums. „Jeder Mensch kann etwas bewirken, ob groß oder klein. Und das ist die Botschaft, die wir mit unserem Award auch an unserer Fairtrade-School und in unserer Fairtrade-Stadt Freising verbreiten möchten: Jede Stimme ist wichtig und jede Handlung ist wichtig im Einsatz für den Fairen Handel. Hört nicht auf, euch für andere Menschen einzusetzen!“
Gratulation an alle Nominierten!
Wir gratulieren auch den Nominierten der einzelnen Kategorien herzlich: Fairever, Tony’s Chocolonely, Fair-o-mat electric, Seeberger, Caventura, dm & Maestrani, Faire Metropolregion Nürnberg, Fairtrade-School Carl-von-Linde-Gymnasium Kempten, Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen, Schülerfirma books etc. – Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg Detmold, FAIRkickt-Bildungscamp und Zukunftsakademie des Eine Welt-Laden Amberg e.V. haben es in diesem Jahr unter die Top 3 in ihrer Kategorie geschafft. Beim Einsatz für mehr Handelsgerechtigkeit sowie Umwelt- und Klimaschutz kann es nur Gewinner*innen geben. Die nächsten Fairtrade Awards sind schon in Sicht.