Fairtrade-Textilien
Kreative und inspirierende Mode hilft uns, gut auszusehen und uns wohl zu fühlen. Doch bei vielen Marken ist billige Fast Fashion die Norm – Textilarbeiter*innen und Umwelt zahlen hierfür den Preis. Fairtrade engagiert sich dafür, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Textilarbeiter*innen besser werden.
Die Textilindustrie
Modehändler und -einkäufer sowie vertikal aufgestellte Filialisten, die verschiedene Stufen der Wertschöpfungskette innerhalb ihres Unternehmens integriert haben, diktieren die Preise. Das führt zu einem enormen Machtungleichgewicht zwischen ihnen und den Zulieferern und ist die Ursache für viele Menschenrechtsverletzungen in der Textilindustrie.
Weltweit arbeiten etwa 60 Millionen Menschen in der Bekleidungs- und Textilbranche – ein Großteil davon sind Frauen.
Aktuelle Herausforderungen der Textilindustrie
Die Textilindustrie steht vor verschiedenen Herausforderungen, die sich auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft auswirken.
- Unfaire Löhne: Viele Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie verdienen weniger als einen existenzsichernden Lohn, der es ihnen ermöglichen würde, sich angemessen zu ernähren, zu wohnen und zu kleiden sowie sich Gesundheitsfürsorge, Bildung und Transportmittel leisten zu können.
- Arbeitsbedingungen und Rechte: Textilarbeiter*innen werden oft daran gehindert, sich kollektiv zu organisieren, oder kennen ihre gesetzlichen Rechte nicht. Darüber hinaus sind viele Textilfabriken unsicher und unreguliert. Die Rana-Plaza-Katastrophe von 2013, bei der 1.134 Menschen ums Leben kamen und Tausende weitere verletzt wurden, hat weltweit Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie gelenkt.
- Gleichstellung der Geschlechter: Die Textilproduktion wird größtenteils von Frauen geschultert – sie machen fast 60 Prozent der weltweiten Belegschaft aus, in einigen Regionen sogar fast 80 Prozent. Frauen kämpfen oft darum, gehört zu werden, verdienen weniger als Männer, müssen sich um Kinder kümmern und sind stärker von Gewalt und Diskriminierung betroffen.
- Auswirkungen auf das Klima: Der ökologische Fußabdruck der Textilindustrie ist ein großes Problem. Von wasserintensiven Prozessen bis hin zum Einsatz schädlicher Chemikalien: Die Textilproduktion trägt massiv zu Umweltverschmutzung und Ressourcenverknappung bei.
„Ich arbeite gerne hier und fühle mich sehr wohl. Es ist sicherer. Außerdem habe ich geregelte Arbeitszeiten und weiß genau, wann ich anfange und wann ich Feierabend habe.“
S. Krishnaveri, Arbeiter beim Fairtrade-zertifizierten Textilhersteller Sags Apparels, Indien
Was Fairtrade anders macht
2016 wurde der Fairtrade-Textilstandard wurde eingeführt, um die Textilbranche nachhaltiger zu gestalten. Nach einer umfassenden Analyse und breiten Konsultation wurde er nun überarbeitet, um aktuelle Herausforderungen passgenauer zu adressieren und die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen schneller und stärker zu verbessern. Der neue Fairtrade Textile Factory Standard greift ab dem 1. September 2026 und konzentriert sich auf die lezte Produktionsstufe (Cut-Make-Trim/Näherei), da hier die meisten Arbeiter*innen tätig sind.
- Menschenwürdige Existenzgrundlagen: Der Fairtrade-Textilstandard schreibt geregelte Arbeitszeiten und Arbeitsverträge vor. Außerdem erhalten Arbeiter*innen einen Grundlohn, der mindestens 55 Prozent des jeweiligen Living Wage Benchmarks in der Region beträgt oder 10 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Zusätzlich wird ein Lohnzuschlag, das Living‑Wage‑Differential, eingeführt, den Marken für Fairtrade-Aufträge zahlen. Dieser wird pro Kleidungsstück errechnet und anteilig an die Beschäftigen ausgezahlt.
- Gleichstellung der Geschlechter: Fairtrade fordert das Ende von geschlechtsspezifischer Diskriminierung, null Toleranz gegenüber sexueller Belästigung, keine Schwangerschaftstests bei der Einstellung und eine verbindliche Geschlechterpolitik.
- Gesundheit und Sicherheit: Die Fairtrade-Standards legen Kriterien für sichere Arbeitsplätze und Gebäude sowie für die Verwendung von Schutzausrüstung und den sicheren Umgang mit Chemikalien fest.
- Verbraucherbewusstsein: Mit zivilgesellschaftlichen Kampagnen fordert Fairtrade Unternehmen dazu auf, den Menschen, die unsere Kleidung herstellen, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen – und ruft die Politik dazu auf, diese Forderung zu unterstützen.
Gemeinsam für Veränderungen in der Mode- und Textilindustrie