Unser Living Income Programm für Kakao
Für Unternehmen, die über die Zertifizierung hinaus Verantwortung für stabile Einkommen, resiliente Lieferketten und langfristige Wirkung übernehmen möchten.
Globale Lieferketten stehen unter wachsendem Druck. Klimawandel, ökologische Belastungsgrenzen, soziale Instabilität und steigende regulatorische Anforderungen treffen auf strukturell niedrige Einkommen in vielen Anbauregionen.
Wenn landwirtschaftliche Haushalte kaum über das tägliche Auskommen hinauskommen, fehlen Investitionsspielräume – beispielsweise für bessere Anbaumethoden, für klimaresiliente Systeme, für Bildung oder für langfristige Planung. Einkommensarmut wirkt damit nicht isoliert, sondern systemisch.
Living Income setzt genau hier an: Es beschreibt ein Einkommensniveau, das grundlegende Lebenshaltungskosten deckt und darüber hinaus wirtschaftliche Stabilität ermöglicht. Für Unternehmen bedeutet das: Existenzsichernde Einkommen sind kein Zusatzaspekt, sondern ein Menschenrecht und grundlegende Voraussetzung für resiliente und verlässliche Lieferketten.
Was Fairtrade unter Living Income versteht
Fairtrade arbeitet seit vielen Jahren daran, Einkommensstrukturen im globalen Süden nachhaltig zu verbessern. Living Income ist dabei ein Kernbestandteil der strategischen Ausrichtung. Ein existenzsicherndes Einkommen umfasst: • Kosten für Ernährung, Wohnen und Gesundheit • Bildung und gesellschaftliche Teilhabe • Mobilität und notwendige Infrastruktur • Rücklagen für unerwartete Ereignisse • Investitionen in den eigenen Betrieb Living Income geht damit über reine Produktionskosten hinaus. Es verbindet soziale Mindeststandards mit wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit und stärkt langfristig die Stabilität landwirtschaftlicher Haushalte.
Warum Living Income für Unternehmen relevant ist
Unzureichende Einkommen wirken sich unmittelbar auf die Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und langfristige Tragfähigkeit von Lieferketten aus.
- Klimatische Dimension
Ohne ausreichende Investitionsspielräume bleiben Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel aus. Resiliente Anbausysteme entstehen nur, wenn Betriebe wirtschaftlich handlungsfähig sind. - Ökologische Dimension
Einkommensdruck erhöht den Nutzungsdruck auf natürliche Ressourcen. Nachhaltiger Umwelt- und Biodiversitätsschutz setzt wirtschaftliche Perspektiven voraus. - Soziale Dimension
Geringe Einkommen begrenzen Bildungs-, Gesundheits- und Entwicklungsmöglichkeiten für Familien. Strukturelle Verbesserungen setzen wirtschaftliche Stabilität voraus. Durch sie erhalten auch junge Menschen eine Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft und die nächste Generation wird gestärkt.
Fairtrade als Pionier im Bereich Living Income
Fairtrade war das erste Zertifizierungssystem weltweit, das verbindliche Mindestpreise eingeführt und Produzent*innen strukturell in Governance-Prozesse eingebunden hat. Zudem berechnet und veröffentlicht Fairtrade systematisch Living Income Reference Prices und verknüpft Preisgestaltung transparent mit Daten zu Lebenshaltungskosten.
Während viele Akteure Living Income als Ziel formulieren, stellt Fairtrade konkrete Instrumente zur Umsetzung bereit und bringt bereits langjährige Erfahrung in der Umsetzung von Pilotprojekten mit.
Fairtrade-Standards als Basis
- Der Fairtrade-Mindestpreis schützt vor Marktvolatilität.
- Die Fairtrade-Prämie ermöglicht gemeinschaftliche Investitionen.
- Klare Kontrollmechanismen sichern die Einhaltung der Standards.
Diese Elemente schaffen Stabilität – ermöglichen jedoch nicht automatisch ein existenzsicherndes Einkommen. Deshalb ergänzt Fairtrade die bestehenden Standards durch weiterführende Instrumente und programmbasierte Ansätze.
Living Income Reference Prices (LIRP)
Living Income Reference Prices sind Benchmarks. Sie zeigen, welcher Preis unter regionalen Bedingungen erforderlich ist, damit ein typischer landwirtschaftlicher Haushalt ein existenzsicherndes Einkommen erzielen kann.
Die Berechnung berücksichtigt:
- Regionale Lebenshaltungskosten
- Haushaltsgröße
- Nachhaltige Erträge
- Verfügbare Anbaufläche
Referenzpreise entdecken: https://reference-prices.fairtrade.net/de
FAQ zur Methodik und Anwendung: https://reference-prices.fairtrade.net/de/faqs-de
Von der Orientierung zur Umsetzung
Referenzpreise allein führen oft noch nicht automatisch zu existenzsichernden Einkommen. Entscheidend ist das koordinierte Zusammenwirken von:
- Preisgestaltung
- Produktivität
- Diversifizierung
- Klimaresilienz
- Kooperativenstärkung
- langfristiger Partnerschaft
Hier setzt Fairtrade mit strukturierten Programmen an, die diese Elemente in einem integrierten Rahmen verbinden.
Grow Further
Living Income im Kakaosektor: Strukturierter Programmansatz für existenzsichernde Einkommen
„Grow Further“ ist der programmatische Ansatz von Fairtrade für Kakao aus Westafrika und richtet sich an Unternehmen, die über die Zertifizierung hinaus gezielt zu existenzsichernden Einkommen im Kakaosektor beitragen möchten.
Ausgangspunkt: Warum Kakao?
Westafrika produziert rund zwei Drittel des weltweiten Kakaos. Gleichzeitig stehen viele Kakaobäuer*innen in Ghana und Côte d’Ivoire vor strukturellen Herausforderungen.
Herausforderungen sind unter anderem:
- Kleine Betriebsgrößen
- Schwankende Weltmarktpreise
- Klimarisiken
- Begrenzte Investitionsspielräume
Selbst hohe Weltmarktpreise führen nicht automatisch zu stabilen, existenzsichernden Einkommen. Deshalb setzt Fairtrade im Kakao auf einen strukturierten, mehrstufigen Ansatz.
Wie Grow Further wirkt
Existenzsichernde Einkommen entstehen nicht durch einen einzelnen Hebel. Sie sind das Ergebnis eines Zusammenspiels aus geteilter Verantwortung, Standards, Preisorientierung, Investitionen und Zusammenarbeit mit Kooperativen.
Die Programmlogik von Grow Further – Der Baum
Um diese Wirkungslogik sichtbar zu machen, haben wir Grow Further als Baum dargestellt. Der Baum steht für einen strukturierten, aufeinander aufbauenden Ansatz: Von der Wurzel bis zur konkreten Wirkung im Kakaosektor.
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Die Wurzeln – Das Fundament
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Der Stamm – Gibt Stärke und transportiert Ressourcen
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Die Zweige - Wachstum in verschiedene Richtungen
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Die Früchte – Living Incomes und nachhaltiger Impact
Warum Investitionen in verbesserte Einkommen?
Im Kakaosektor sind Einkommenslücken strukturell bedingt und kurzfristige Preisimpulse allein reichen nicht aus.
Grow Further verbindet:
- Standards
- Referenzpreise
- Gezielte Investitionen
- Direkte Zusammenarbeit mit Kooperativen
zu einem konsistenten Programmrahmen.
Lidl geht voran: Erster Partner für Grow Further in Deutschland
Mit Lidl gewinnt Grow Further in Deutschland seinen ersten Programmpartner. Als erster Partner beteiligt sich der Discounter am Living Income Programm von Fairtrade in Deutschland und zeigt, wie Handelsunternehmen über die Zertifizierung hinaus konkret zur Schließung von Einkommenslücken beitragen können. Geplant ist, das gesamte Tafelschokoladensortiment auf das Living Income Programm umzustellen.
Ihr Einstieg
Grow Further ist derzeit für den Kakaosektor verfügbar. Unternehmen, die mit Kakao handeln oder Kakao verarbeiten, können am Programm teilnehmen.
Jetzt mit Living Income und Grow Further starten
Gestalten Sie Ihre Lieferketten zukunftsfähig – mit einem strukturierten Living-Income-Ansatz von Fairtrade. Lernen Sie Grow Further kennen und prüfen Sie gemeinsam mit uns, wie ein Einstieg im Kakaosektor aussehen kann.
Regulatorische Relevanz (EU-Kontext)
Existenzsichernde Einkommen gewinnen auch im regulatorischen Kontext an Bedeutung. Im Rahmen der: • Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) • EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) werden Unternehmen stärker in die Pflicht genommen, menschenrechtliche und ökologische Risiken entlang ihrer Lieferketten zu adressieren. Einkommensarmut gilt als eine der zentralen Ursachen für Kinderarbeit, Entwaldung und strukturelle Instabilität. Living Income ist damit ein relevanter Baustein präventiver Sorgfaltspflicht. Programme wie Grow Further unterstützen Unternehmen dabei, diese Verantwortung strukturiert und partnerschaftlich umzusetzen.
Living Income Preise und die Anker-Methode
Fairtrade berechnet die Preise für ein existenzsicherndes Einkommen anhand der Anker-Methode, bei der die lokalen Kosten für wesentliche Güter berücksichtigt werden, um ein angemessenes Einkommen für die Produzent:innen zu ermitteln. Diese Methode berücksichtigt die Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Regionen und stellt sicher, dass das existenzsichernde Einkommen kontextspezifisch und angemessen ist.
Neues Tool für Referenzpreisen für existenzsichernde Einkommen
Fairtrade hat ein ganzheitliches Preisermittlungsmodell zur Festlegung von Referenzpreisen für ein existenzsicherndes Einkommen (Living Income Reference Prices - LIRP) entwickelt, das ein wesentlicher Bestandteil der Strategie für ein existenzsicherndes Einkommen ist. Ein Referenzpreis für ein existenzsicherndes Einkommen gibt den Ab-Hof-Preis an, den ein typischer Bauernhaushalt mit einer rentablen Anbaufläche und einem nachhaltigen Produktivitätsniveau benötigt, um ein existenzsicherndes Einkommen aus dem Verkauf seiner Ernte zu erzielen. Ein existenzsicherndes Einkommen ist ein ausreichendes Einkommen, um den Haushaltsmitgliedern einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen, einschliesslich einer nahrhaften Ernährung, einer angemessenen Wohnung, Bildung, Gesundheitsfürsorge, anderer grundlegender Bedürfnisse und einer Vorsorge für unerwartete Ereignisse.
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