Fairtrade appelliert an Schokoladenhersteller: Kakaobäuerinnen und -bauern brauchen faire Preise
Sinkende Kakaopreise und hohe Produktionskosten setzen Kakaobäuerinnen und -bauern in Westafrika weiter unter Druck. Während der Fairtrade-Mindestpreis in Côte d’Ivoire als Sicherheitsnetz greift, zeigt sich auch in Ghana: Die staatlich festgelegten Preise liegen unter dem Niveau, das für existenzsichernde Einkommen notwendig ist. Fairtrade appelliert deshalb an die Schokoladenindustrie, gerade jetzt Verantwortung zu übernehmen und verlässliche Handelspartnerschaften zu sichern.
Fairtrade-Mindestpreis schützt vor Preisverfall
In Côte d’Ivoire, dem weltweit größten Kakaoanbauland, liegt der staatlich festgelegte Referenzpreis für die neue Erntesaison unter dem Fairtrade-Mindestpreis. Für Fairtrade-zertifizierte Kooperativen greift deshalb ein zusätzlicher Ausgleich von 349,39 Euro pro Tonne Kakao. Hinzu kommt die Fairtrade-Prämie von 250 Euro pro Tonne.
Das zusätzliche Mindestpreis-Differential wird direkt an die Mitglieder der Kooperativen ausgezahlt. Damit bietet Fairtrade eine wichtige Absicherung gegen schwankende Kakaopreise und stärkt die Planungssicherheit der Bäuerinnen und Bauern.
Auch in Ghana bleibt die Einkommenslücke bestehen
In Ghana wurde der staatlich regulierte Kakaopreis zum 25. September 2026 auf umgerechnet 3.687 US-Dollar pro Tonne festgelegt. Der von Fairtrade berechnete Referenzpreis für ein existenzsicherndes Einkommen (Living Income Reference Price) liegt dagegen bei rund 3.948 US-Dollar pro Tonne.
Damit liegt der staatliche Preis rund 261 US-Dollar pro Tonne unter dem Referenzpreis. Die Zahlen verdeutlichen: Staatlich festgelegte Preise allein reichen nicht aus, um Kakaobauernfamilien ein existenzsicherndes Einkommen zu ermöglichen. Dafür braucht es zusätzliches Engagement entlang der Lieferkette.
Schokoladenindustrie muss jetzt Verantwortung übernehmen
Fairtrade appelliert an Schokoladenhersteller und Kakaoeinkäufer, die Menschen am Anfang ihrer Lieferketten gerade jetzt nicht im Stich zu lassen. Wer Kakao aus nicht Fairtrade-zertifiziertem Anbau in Côte d’Ivoire bezieht, ohne eine vergleichbare Preisabsicherung sicherzustellen, riskiert, die ohnehin schwierige wirtschaftliche Situation der Kakaobäuerinnen und -bauern weiter zu verschärfen.
Fast jede zweite Tonne Rohkakao, die nach Deutschland importiert wird, stammt aus Côte d’Ivoire. Damit trägt auch die deutsche Schokoladenindustrie eine besondere Verantwortung für die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort.
„Kakao zu konventionellen Bedingungen einzukaufen, in denen noch nicht mal die Produktionskosten gedeckt werden, entzieht den Bäuerinnen und Bauern Tonne für Tonne ihre Existenzgrundlage. Gerade jetzt braucht es verlässliche und faire Handelspartnerschaften und Investitionen in zukunftsfähige Lieferketten“, sagt Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland.
Die Forderung von Fairtrade ist deshalb klar: Schokoladenhersteller sollen mindestens Preise auf Fairtrade-Niveau zahlen und sich langfristig für existenzsichernde Einkommen einsetzen. Denn faire Preise und verlässliche Handelsbeziehungen sind entscheidend für eine zukunftsfähige Kakaoproduktion.
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