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Fairer Futures: unser Programm für existenzsichernde Einkommen

Das Programm für Unternehmen, die über die Fairtrade-Zertifizierung hinaus Verantwortung für bessere Einkommen und zukunftsfähige Lieferketten übernehmen möchten. Fairer Futures verbindet zusätzliche Preiszahlungen mit gezielten Investitionen in Klimaresilienz, starke Kooperativen und Menschenrechte.

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Kakaobauern schälen Kakaofrüchte
Kakaobauern schälen Kakaofrüchte

Mehr Engagement für bessere Einkommen und zukunftsfähige Lieferketten

Mit Fairer Futures können Unternehmen gezielt in die Zukunft ihrer Lieferketten investieren. Das internationale Programm bietet die Möglichkeit, über die bestehende Fairtrade-Zertifizierung hinauszugehen und zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.

Bessere Einkommen fördern

Zusätzliche Preiszahlungen und Investitionen sollen dazu beitragen, Einkommenslücken zu verringern und die wirtschaftlichen Perspektiven von Bäuerinnen und Bauern zu verbessern.

Lieferketten langfristig stärken

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, wirtschaftlich starke Kooperativen und der Schutz der Menschenrechte tragen dazu bei, Herausforderungen in den Anbauregionen zu begegnen.

Verlässlichkeit durch klare Standards

Ein eigener Fairtrade-Standard definiert die Anforderungen für die Teilnahme am Programm. Unabhängige Kontrollen sorgen dafür, dass Aussagen über das zusätzliche Engagement nachvollziehbar sind. Wenn das Einkommen landwirtschaftlicher Haushalte kaum für den täglichen Lebensunterhalt reicht, fehlt Geld für Investitionen – zum Beispiel in bessere Anbaumethoden, klimaresiliente Systeme, Bildung oder langfristige Planung. Einkommensarmut wirkt damit nicht isoliert, sondern systemisch.

Existenzsichernde Einkommen, Living Income, setzt genau hier an: Es beschreibt ein Einkommensniveau, das grundlegende Lebenshaltungskosten deckt und darüber hinaus wirtschaftliche Stabilität ermöglicht. Für Unternehmen bedeutet das: Existenzsichernde Einkommen sind ein Menschenrecht und eine grundlegende Voraussetzung für resiliente und verlässliche Lieferketten.

Fairtrade bündelt internationale Erfahrungen in einem Ansatz

Fairtrade bringt langjährige Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Produzentenorganisationen und Unternehmen ein. Dazu gehören die Entwicklung von Living Income Reference Prices, Programme zur Stärkung von Kooperativen und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven von Bäuerinnen und Bauern.
Mit Fairer Futures führt Fairtrade diese Erfahrungen in einem gemeinsamen internationalen Programm zusammen. Eine wichtige Grundlage bildet das Fairtrade West Africa Cocoa Programme, das Kakaokooperativen bei der Stärkung ihrer wirtschaftlichen und organisatorischen Strukturen unterstützt.
Das Programm wurde gemeinsam mit den Fairtrade-Produzentennetzwerken in Afrika, Asien und Lateinamerika entwickelt. Sie gestalten auch die Umsetzung mit. So können bewährte Ansätze auf weitere Rohstoffe und Regionen ausgeweitet und an die Herausforderungen vor Ort angepasst werden.

Kakaoschoten

Was ist ein existenzsicherndes Einkommen?

Ein existenzsicherndes Einkommen ermöglicht es Bäuerinnen und Bauern, von ihrer Arbeit zu leben, ihre Familien zu versorgen und für die Zukunft vorzusorgen. Dazu gehören auch Gesundheitsversorgung, Bildung und die Möglichkeit, Rücklagen zu bilden.
Um dieses Ziel zu erreichen, reicht ein höherer Preis allein häufig nicht aus. Fairer Futures verbindet deshalb eine gemeinsame Grundlage mit zusätzlichen Investitionen in drei Programmbereiche.
Living Income Reference Price als Grundlage
Die Zertifizierung mit dem Fairtrade-Mindestpreis und der Fairtade-Prämie bildet die Basis. Für Kakao aus Westafrika kommen zusätzliche Preiszahlungen auf Grundlage des Living Income Reference Price (LIRP) hinzu.
Der von Fairtrade berechnete Referenzpreis berücksichtigt die Lebenshaltungskosten vor Ort, die Kosten eines nachhaltigen Anbaus sowie realistische Erträge und Betriebsgrößen. Er zeigt, welchen Preis eine typische Bauernfamilie für ihre Ernte benötigt, um ein existenzsicherndes Einkommen erzielen zu können.

Living Income Reference Prices ansehen
Grafik, die Bestandteile von Living Income zeigen

Drei Programmbereiche für zusätzliche Investitionen

Unternehmen können darüber hinaus gezielt dort investieren, wo Unterstützung besonders gebraucht wird.

  • Klimaresilienz: Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, ihre Betriebe an den Klimawandel anzupassen und ihre Ernten langfristig zu sichern.
  • Starke Kooperative: Kooperativen wirtschaftlich und organisatorisch stärken, damit sie ihre Mitglieder besser unterstützen und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erschließen können.
  • Kinderrechte: Kinderrechtliche Risiken frühzeitig erkennen, ihnen vorbeugen und gemeinsam mit den Produzentenorganisationen geeignete Maßnahmen umsetzen.

Welche Schwerpunkte gesetzt werden, richtet sich nach den Herausforderungen in der jeweiligen Lieferkette und den Bedürfnissen vor Ort.

Ein eigener Fairtrade-Standard macht Verpflichtungen überprüfbar

Eine Besonderheit von Fairer Futures ist der eigene, freiwillige Fairtrade-Standard. Er definiert die Anforderungen an das zusätzliche Engagement teilnehmender Unternehmen und sieht unabhängige Kontrollen vor.

Unternehmen dürfen ausschließlich über die Programmbereiche kommunizieren, zu denen sie sich tatsächlich verpflichtet haben. So werden zusätzliche Investitionen und die damit verbundenen Maßnahmen nachvollziehbar.

Zwei Bauern und eine Bäuerin prüfen den Boden der Plantage
Zwei Bauern und eine Bäuerin prüfen den Boden der Plantage
«Für die Bauern und Bäuerinnen von heute und morgen ist eines ganz klar: Ein stabiler, ausreichend hoher Preis ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensbedingungen», sagt Carla Veldhuyzen van Zanten, Senior Advisor Sustainable Livelihoods, Fairtrade International

Ausweitung auf weitere Rohstoffe und Regionen geplant

Die offizielle internationale Einführung von Fairer Futures ist für 2027 geplant. Perspektivisch soll das Programm auf Kaffee, Bananen und Kakao aus weiteren Anbauregionen ausgeweitet werden. Der Fairtrade-Standard wird dafür entsprechend weiterentwickelt.

Künftig soll die Programmteilnahme auch auf Produkten sichtbar werden. Ein ergänzendes Fairer-Futures-Kommunikationselement auf der Verpackung weist auf das Engagement hin. Weitere Angaben benennen die gewählten Programmbereiche. Das bestehende Fairtrade-Siegel bleibt erhalten.

Erste entsprechend gekennzeichnete Produkte sind für 2027 vorgesehen.

Gemeinsam den nächsten Schritt gehen

Fairer Futures eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung in ihren Lieferketten zu übernehmen. Den Ausgangspunkt bilden die bestehenden Einkaufsbedingungen, die Herkunft der Rohstoffe und die geplanten Abnahmemengen.

Fairtrade Deutschland informiert über die Anforderungen an die Programmteilnahme und unterstützt dabei, passende Maßnahmen und nächste Schritte zu entwickeln.

Häufige Fragen zu Fairer Futures

  • Welche Unternehmen können an Fairer Futures teilnehmen?

  • Ist eine Teilnahme mit Mengenausgleich möglich?

  • Wie unterstützt Fairer Futures den Weg zu existenzsichernden Einkommen?

  • Was unterscheidet den Living Income Reference Price vom Fairtrade-Mindestpreis?

Teil von Fairer Futures werden

Fairer Futures beginnt mit Kakao aus Westafrika. Weitere Unternehmen können sich beteiligen und dazu beitragen, die wirtschaftlichen Perspektiven von Bäuerinnen und Bauern langfristig zu stärken.

Fairtrade Deutschland informiert über Beteiligungsmöglichkeiten und die nächsten Schritte.

 

Regulatorische Relevanz (EU-Kontext)

Existenzsichernde Einkommen gewinnen auch im regulatorischen Kontext an Bedeutung. Im Rahmen der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD)  oder der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) werden Unternehmen stärker in die Pflicht genommen, menschenrechtliche und ökologische Risiken entlang ihrer Lieferketten zu adressieren. Einkommensarmut gilt als eine der zentralen Ursachen für Kinderarbeit, Entwaldung und strukturelle Instabilität. Living Income ist damit ein relevanter Baustein präventiver Sorgfaltspflicht.

Zwei Kakaofrüchte an einem Baum

Tool für Referenzpreisen für existenzsichernde Einkommen

Referenzpreise für existenzsichernde Einkommen: Orientierung für Unternehmen

Mit den Living Income Reference Prices (LIRP) bietet Fairtrade Unternehmen eine fundierte Grundlage, um ihre Einkaufspraktiken weiterzuentwickeln und gezielt zu besseren Einkommen beizutragen.
Das Online-Tool macht die Referenzpreise nach Produkt und Herkunft zugänglich. Unternehmen können damit ihre Einkaufspreise einordnen, zusätzliche Preiszahlungen planen und konkrete Maßnahmen zur Verringerung von Einkommenslücken entwickeln.

Living Income Reference Prices ansehen
Landkarte mit Fokus auf Afrika und einem Popup-Fenster zu Ghana, das unter anderem die Fairtrade-Produkte (Kakao, Bananen und Früchte) aus diesem Land anzeigt