Krieg in Nahost trifft Fairtrade-Blumenfarmen: Was jetzt zählt
Der Krieg im Nahen Osten setzt Fairtrade-Blumenfarmen in Kenia, Uganda, Äthiopien und Ecuador stark unter Druck. Dünger, Energie und vor allem Luftfracht sind massiv teurer geworden. Fairtrade hat erste Maßnahmen entwickelt, um Produzent*innen und Arbeiter*innen in dieser Ausnahmesituation zu unterstützen.
Wer in den kommenden Wochen einen Blumenstrauß kauft, tut das in einer Zeit spürbarer Unsicherheit für die Menschen, die diese Blumen anbauen. Der Konflikt im Nahen Osten hat globale Lieferketten unter Druck gesetzt. Und das hat auch direkte Folgen auf Fairtrade-zertifizierte Blumenfarmen in Kenia, Uganda, Äthiopien und Ecuador. Zusammen machen sie den Großteil der weltweiten Fairtrade-Blumenverkäufe aus.
Blumenfarmen unter Druck. Was ist passiert?
Zwischen Februar und Juni 2026 sind die Produktions- und Exportkosten auf den Farmen deutlich gestiegen. Bei Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln, Treibstoff, Verpackungsmaterial, Luft- und Seefracht sind Preisanstiege zwischen 17 und 90 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt haben sich die Produktionskosten damit um 20 bis 30 Prozent erhöht. Gleichzeitig gibt es längere Lieferzeiten und höhere Lagerkosten.
Ursächlich dafür sind unter anderem gestörte Energie- und Düngemittel-Lieferrouten, eingestellte Flugverbindungen sowie Umleitungen und Aufschläge in der Seefracht. Besonders deutlich zeigt sich das in Kenia: Exporteure haben seit Kriegsbeginn schätzungsweise 4,8 Millionen US-Dollar verloren, die Luftfrachtkosten stiegen von rund 3,10 auf 5,00 bis 5,80 US-Dollar pro Kilogramm. Einzelne Farmen berichten von Umsatzrückgängen von bis zu 75 Prozent.
Wie Fairtrade in der Krise unterstützt
Fairtrade International hat ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Blumenfarmen und die dort tätigen Arbeiter*innen gezielt zu unterstützen:
- Intensivierung der Marktentwicklung durch die nationalen Fairtrade-Organisationen, um Nachfrage und Unterstützung für Fairtrade-Blumen weiterhin zu stärken
- Verstärkte Aufklärung von Handel und Konsument*innen über die Lage in den Anbauländern
- Prüfung zusätzlicher finanzieller Entlastungen für Blumenfarmen im Rahmen bestehender Lohn- und Preisregelungen
- Möglichkeit, Fairtrade-Prämien für Arbeiter*innen in Ausnahmefällen gezielt für Soforthilfen einzusetzen, etwa Lebensmittelhilfen oder finanzielle Unterstützung
- Anpassung des Fairtrade-Mindestlohns für Arbeiter*innen an die gestiegenen Lebenshaltungskosten – die erste Anpassung greift im August 2026, die zweite im März 2027
Gleichzeitig appelliert Fairtrade an alle Akteure entlang der Lieferkette, die gestiegenen Kosten fair zu berücksichtigen – etwa durch angemessene Preise und flexible Zahlungsbedingungen. Denn besonders kleinere Farmbetriebe sind durch die Kostenexplosion in ihrer Existenz bedroht. Ohne eine faire Verteilung der Lasten drohen Betriebsschließungen mit direkten Folgen für die Beschäftigten vor Ort.
Rosen ja – aber nur fair!
Genau hier setzt Fairtrade an: Blumen und Rosen schenken Freude – den Menschen, die sie erhalten und den Menschen, die sie mit viel Sorgfalt anbauen. Die Frage ist nur, unter welchen Bedingungen sie angebaut wurden. Wer beim Kauf auf das Fairtrade-Siegel achtet, unterstützt Betriebe, die durch Prämien für die Belegschaft und jetzt zusätzliche Nothilfemaßnahmen eine verlässlichere Basis haben, um durch diese Krise zu kommen. Jeder Kauf von Fairtrade-Blumen unterstützt die Menschen, die sie anbauen - aktuell mehr denn je!
Fairtrade Blumen
Blumen sind hierzulande ein beliebtes Geschenk, um sich selbst oder anderen den Tag zu verschönern. Gleichzeitig gehören Blumen zu einem großen Wirtschaftszweig, der sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert hat: Die Produktion wurde aus Ländern der nördlichen Hemisphäre wie den Niederlanden in Länder mit günstigeren klimatischen Bedingungen im globalen Süden wie Kenia, Ecuador und Sri Lanka verlagert. Genau hier kommt Fairtrade ins Spiel.