Kakaoalternative im Test: Beim Schmelz bleibt der Unterschied spürbar
Kakaoalternativen versprechen Schokoladengenuss ohne Kakao. Doch beim typischen Schmelz zeigen sich weiterhin Unterschiede, wie ein aktueller Test von Stiftung Warentest bestätigt. Damit stützt das unabhängige Institut eine zentrale Beobachtung einer von Fairtrade Deutschland beauftragten Untersuchung. Für Hersteller ist das ein weiteres Argument, auf echten Kakao zu setzen.
Kann eine Schokoladenalternative ohne Kakao mit dem Original mithalten? Dieser Frage ist jetzt auch Stiftung Warentest nachgegangen. Für den aktuellen Test wurden vier Produktpaare mit und ohne eine kakaofreie Alternative verglichen. Geschulte Prüfer*innen untersuchten unter anderem Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Das Fazit fällt gemischt aus: Teilweise kommen die Alternativen ihrem kakaohaltigen Pendant erstaunlich nahe, gleichzeitig sieht Stiftung Warentest insbesondere beim Geschmack und Mundgefühl noch Schwächen.
Bei einer getesteten Tafel attestiert Stiftung Warentest zwar Milch-, Karamell- und Röstnoten, beschreibt das Mundgefühl jedoch als leicht stumpf. Das Fazit der Stiftung Warentest: „Unfassbar schokoladig? Eher nicht.“
Fehlender Schmelz: Zwei Untersuchungen, eine ähnliche Beobachtung
Das Ergebnis erinnert an eine Untersuchung, die Fairtrade Deutschland im Sommer 2026 veröffentlicht hat. Das rheingold Institut hatte im Auftrag von Fairtrade untersucht, wie Verbraucher*innen Kakaoalternativen wahrnehmen. In zweistündigen Gruppendiskussionen und tiefenpsychologischen Einzelinterviews wurden insgesamt 29 Personen zwischen 18 und 40 Jahren befragt.
Dabei zeigte sich insbesondere bei Schokoladenliebhaber*innen, die Wert auf Schmelz und ein intensives Genusserlebnis legen, eine klare Präferenz für echte Schokolade. Im direkten Vergleich wurde die Kakaoalternative unter anderem wegen weniger Schmelz, eines mehligen Mundgefühls und eines als künstlicher wahrgenommenen Geschmacks schlechter bewertet.
Auf ähnliche Ergebnisse kommen beide Untersuchungen trotz unterschiedlicher Methoden: Während Stiftung Warentest auf geschulte sensorische Prüfer*innen setzt, standen bei der von Fairtrade beauftragten Untersuchung die Wahrnehmung und Erwartungen von Verbraucher*innen im Mittelpunkt. Beide kommen beim Mundgefühl zu einem ähnlichen Punkt: Der für viele Menschen charakteristische Schokoladenschmelz lässt sich bislang nur schwer ersetzen.
Wenn der Unterschied klein ist, wird Transparenz umso wichtiger
Gerade in Crunch-Produkten mit weniger Schokoladenanteil spielt eine klare Kennzeichnung eine wichtige Rolle. Das zeigte sich auch in der rheingold-Untersuchung: Das Emblem der Kakaoalternative wurde von Teilnehmenden teilweise kaum wahrgenommen. Nach der Aufklärung wünschten sie sich eine deutlichere und eindeutigere Kennzeichnung kakaofreier Produkte.
Stephan Grünewald, Gründer des rheingold Instituts und Psychologe, fasste das Ergebnis der Untersuchung so zusammen: „Verbraucher wollen ernst genommen werden. Offenheit und Transparenz sind dafür unablässige Bedingungen.“
Kakao ersetzen löst die Herausforderungen im Kakaoanbau nicht
Kakaoalternativen betreffen nicht nur Verbraucher*innen, sondern auch die Produzent*innen von Kakao. Rund sechs Millionen Menschen weltweit leben vom Kakaoanbau. „Wenn Hersteller vermehrt auf Kakaoalternativen setzen, kann das direkte Folgen für Kakaoproduzent*innen haben: Absatzmöglichkeiten, Einkommen und Fairtrade-Prämien können zurückgehen“, sagt Claudia Brück, Vorständin Kommunikation und Politik von Fairtrade Deutschland. „Wo Hersteller weiterhin auf Kakao setzen, können sie mit Fairtrade-Kakao zu gerechteren Handelsbedingungen, besseren Einkommen und damit zur Zukunftsfähigkeit der Kakaoproduktion beitragen.“
Unabhängig von der Entwicklung neuer Kakaoalternativen bleiben die Herausforderungen im Kakaosektor bestehen. Dazu zählen unter anderem die Folgen der Klimakrise, schwankende Preise und steigende Produktionskosten.