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El Niño erhöht Risiken für den Kaffeeanbau

  • 19.10.26

Aktuelle El Niño-Prognosen erhöhen das Risiko für Wetterextreme in wichtigen Anbauregionen. Für Kaffeebäuerinnen und -bauern können Hitze, Dürren oder unregelmäßige Niederschläge zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringen.

Rote und noch reifende Kaffeekirschen
Rote und noch reifende Kaffeekirschen

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwartet für die kommenden Monate einen sehr starken El Niño-Effekt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent. Ein sehr starker El Niño kann Niederschlags- und Temperaturmuster weltweit deutlich verändern und das Risiko für Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze erhöhen. Wie stark einzelne Regionen betroffen sind, hängt jedoch von Ort, Jahreszeit und weiteren Klimafaktoren ab.

El Niño ist ein natürlich auftretendes Klimaphänomen, das in unregelmäßigen Abständen entsteht und typischerweise mehrere Monate anhält. Seine Auswirkungen können weit über den tropischen Pazifik hinausreichen und unter anderem die Landwirtschaft in verschiedenen Weltregionen beeinflussen.

Wetterextreme können Kaffeeanbau erschweren

Für den Kaffeeanbau sind stabile Wetterbedingungen besonders wichtig. Übermäßige Hitze und unregelmäßige Niederschläge können die Kaffeepflanzen unter Stress setzen. Besonders empfindlich sind wichtige Phasen wie die Blüte und die anschließende Entwicklung der Früchte. Ungleichmäßige oder ausbleibende Blüten können sich auf Erntemengen und Qualität auswirken.

Auch am internationalen Kaffeemarkt spielen bereits die Erwartungen möglicher Wetterauswirkungen eine Rolle. Ein wichtiger Maßstab für die Preisentwicklung ist der Preisindikator der International Coffee Organization (ICO). Er bildet die Entwicklung der internationalen Kaffeepreise ab, unter anderem für die Kategorie „Other Mild Arabicas“. Von November 2025 bis Juni 2026 sank dieser Preisindikator um rund 25 Prozent, bevor er über die Sommermonate wieder zweistellig zulegte. Als Gründe für den Preisanstieg im August nennt die ICO unter anderem die Erwartung möglicher negativer El Niño-Effekte sowie ein kurzfristig knappes Arabica-Angebot. Insgesamt erschweren die starken Preisschwankungen die langfristige Planung für Kaffeebauernfamilien in den Anbauregionen.

Klimaanpassung braucht wirtschaftlichen Spielraum

Veränderte Wetterbedingungen erhöhen die Unsicherheit im Kaffeeanbau. Gleichzeitig müssen Produzentenorganisationen in Anpassungsmaßnahmen, widerstandsfähigere Anbaumethoden und die Qualität ihrer Produktion investieren können.

Fairtrade unterstützt Produzentenorganisationen unter anderem mit stabilen Mindestpreisen, der zusätzlichen Fairtrade-Prämie sowie Beratung und Programmen vor Ort. Ab 1. Dezember 2026 steigt der Fairtrade-Mindestpreis für gewaschenen Arabica von 1,80 auf 2,00 US-Dollar pro Pfund. Die Fairtrade-Prämie von 0,20 US-Dollar pro Pfund sowie der Bio-Aufschlag von 0,40 US-Dollar pro Pfund bleiben unverändert. Der Fairtrade-Mindestpreis ist dabei kein fixer Verkaufspreis, sondern eine Untergrenze: Liegt der Marktpreis höher, wird mindestens der höhere Marktpreis gezahlt. Fällt er unter den Fairtrade-Mindestpreis, greift dieser als Sicherheitsnetz.

Ob Kaffee künftig noch verlässlich angebaut werden kann, hängt nicht nur vom Klima ab, sondern auch von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Menschen im Ursprung.

Weiterführende Informationen: