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Gleichberechtigung in der Landwirtschaft birgt eine Billion Dollar Potenzial

  • 12.10.26

Frauen leisten weltweit einen erheblichen Teil der Arbeit in Landwirtschaft und Ernährungssystemen – verfügen aber deutlich seltener über Land, Kapital und Entscheidungsmacht. Das kostet Einkommen, wirtschaftliches Potenzial und Ernährungssicherheit. Die FAO beziffert das Potenzial von mehr Gleichberechtigung auf nahezu eine Billion US-Dollar.

Zwei Kakaobäuerinnen bei der Ernte mit Kakaoschote
Zwei Kakaobäuerinnen bei der Ernte mit Kakaoschote

Sie bauen Kakao in Côte d’Ivoire an, ernten Kaffee in Kolumbien oder pflücken Tee in Kenia. Doch Frauen haben vielerorts schlechteren Zugang zu Land, Krediten, Technologie, Beratung und Märkten.

Die Folgen sind messbar: Bei gleicher Betriebsgröße liegt die Flächenproduktivität von Frauen geführter Betriebe laut Welternährungsorganisation FAO im Durchschnitt 24 Prozent niedriger. Nicht, weil Frauen schlechter wirtschaften, sondern weil ihnen wichtige Ressourcen häufiger fehlen.

Eine Billion Dollar wirtschaftliches Potenzial

Würden die Unterschiede bei landwirtschaftlicher Produktivität und Einkommen zwischen Frauen und Männern geschlossen, könnte laut FAO das globale Bruttoinlandsprodukt um nahezu eine Billion US-Dollar steigen. Gleichzeitig könnten 45 Millionen Menschen zusätzlich Ernährungssicherheit erreichen. Gleichberechtigung ist damit nicht nur eine Frage von Rechten und gesellschaftlicher Teilhabe – sondern auch von wirtschaftlicher Entwicklung.

Wie Fairtrade Frauen stärkt

Auch Fairtrade-Daten zeigen strukturelle Unterschiede: In Fairtrade-zertifizierten Betrieben stellen Frauen rund 40 Prozent der Beschäftigten. Unter den Mitgliedern von Kleinbauernorganisationen liegt ihr Anteil dagegen bei rund 23 Prozent.

Fairtrade setzt deshalb auf mehreren Ebenen an: Standards, Mindestpreise und Fairtrade-Prämie schaffen die Grundlage für bessere Arbeits- und Handelsbedingungen. Ergänzende Programme stärken gezielt Einkommen, Wissen und Mitsprache von Frauen.

Wie beispielsweise das Projekt „Growing Women in Coffee“. Im Rahmen des Projektes erhielten Bäuerinnen in Kenia eigene Kaffeepflanzen und damit die Möglichkeit, selbst Einkommen aus Kaffee zu erzielen. 300 Frauen nahmen zudem an Schulungen zu guter landwirtschaftlicher Praxis teil.

Die Women’s School of Leadership (WSOL) stärkt Frauen dabei, Führungsqualitäten zu entwickeln und sich gleichzeitig für mehr Gleichberechtigung einzusetzen. So wie Salimata, Kakaobäuerin und WSOL-Absolventin in Côte d’Ivoire: „Früher wurden Frauen ignoriert; wir wussten nicht, dass wir Potenzial hatten. Heute gelingt es mir, immer mehr Menschen zu überzeugen, dass die Stärkung der Frauen allen zugutekommt.“

Gleichstellung ist kein Selbstläufer

Das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft rückt diese Ungleichheiten stärker in den Fokus.

Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland, sagt: „Wir erleben auch hierzulande Rückschläge bei der Gleichstellung von Frauen. Das zeigt, dass erreichte Fortschritte nicht selbstverständlich sind. Für Frauen im globalen Süden geht es häufig um noch grundlegendere Fragen: Können sie Land besitzen, ein eigenes Einkommen erzielen und selbst über ihre Zukunft entscheiden? Gerade deshalb dürfen wir bei der Gleichstellung keinen Schritt zurückgehen.“

Mehr Gleichberechtigung stärkt damit nicht nur Frauen und ihre wirtschaftliche Selbstbestimmung. Sie kann zugleich zu höheren Einkommen, größerer Ernährungssicherheit und widerstandsfähigeren Agrarsystemen beitragen.

Hier erfährst du mehr dazu, wie Fairtrade Geschlechtergerechtigkeit stärkt.