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Der neue Fairtrade-Standard für Textilfabriken

2016 wurde der Fairtrade-Textilstandard eingeführt, um die Textilbranche nachhaltiger zu gestalten. Nach einer umfassenden Analyse und breiten Konsultation wurde er nun überarbeitet, um aktuelle Herausforderungen passgenauer zu adressieren und die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen schneller und stärker zu verbessern.

Eine Frau mit grünem Arbeitskittel faltet an einem Tisch Babybodys
Eine Frau mit grünem Arbeitskittel faltet an einem Tisch Babybodys

Der neue Fairtrade Textile Factory Standard greift ab dem 1. September 2026 und konzentriert sich auf die letzte Produktionsstufe (Cut-Make-Trim/Näherei), da hier die meisten Arbeiter:innen tätig sind. 

Gemeinsame Verantwortung für höhere Löhne

Ein Schwerpunkt des neuen Standards ist die Verbesserung der Einkommen von Textilarbeiter:innen. Fairtrade verpflichtet künftig sowohl Fabriken als auch Markenunternehmen, gemeinsam zur Annäherung an existenzsichernde Löhne beizutragen.

Hierfür wurden zwei Instrumente eingeführt.

Höherer Grundlohn für alle Beschäftigten: Zertifizierte Fabriken müssen allen Arbeiter:innen ab dem Zeitpunkt der Zertifizierung einen Grundlohn zahlen. Dieser liegt bei mindestens 55 Prozent des jeweiligen regionalen Living-Wage-Benchmarks oder mindestens 10 Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn – je nachdem, welcher Wert höher ausfällt.

Living-Wage-Differential für Fairtrade-Aufträge: Zusätzlich zahlen Markenunternehmen für Fairtrade-Produkte einen Lohnzuschlag. Dieser wird pro Kleidungsstück berechnet und anteilig an die Beschäftigten ausgezahlt. Mit steigendem Fairtrade-Produktionsvolumen erhöht sich auch der Zuschlag für die Arbeiter:innen.

Durch die Kombination beider Massnahmen entsteht ein transparenter und nachvollziehbarer Mechanismus zur Verringerung der Einkommenslücke hin zu existenzsichernden Löhnen.

 

Mehr Mitbestimmung für Arbeiter:innen

Der neue Standard stärkt zudem die Rolle der Beschäftigten innerhalb der Fabriken. Arbeiter:innen werden künftig stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden und erhalten mehr Einfluss auf die Zusammenarbeit mit wichtigen Beschaffungspartnern. Dafür wird der Compliance-Ausschuss aufgewertet. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Unterstützung bei Beschwerdeverfahren, die Durchführung von internen Audits und Risikobewertungen sowie die Begleitung der Verteilung des Living-Wage-Differentials.

Zudem müssen zertifizierte Fabriken ihr Bekenntnis zur Vereinigungsfreiheit gegenüber registrierten Gewerkschaften dokumentieren. Auch die Anforderungen an Gesundheit und Sicherheit werden weiterentwickelt. Neu ist insbesondere die verbindliche Verpflichtung, für angemessene Temperaturen und eine ausreichende Belüftung in Produktionsstätten zu sorgen.

Mehr Wirkung durch bessere Umsetzbarkeit

Mit der Neuausrichtung reagiert Fairtrade auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Der 2016 eingeführte Textilstandard sollte ursprünglich die gesamte Lieferkette vom Baumwollsamen bis zum fertigen Produkt abdecken. Da die Anwendung des Standards hinter den Erwartungen zurückblieb, wurden Struktur und Anforderungen nun überarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Fairtrade-zertifizierten Baumwollbäuerinnen und -bauern bleibt von der Änderung unberührt. Baumwollsamen werden weiterhin nach dem Fairtrade-Standard für Faserpflanzen zertifiziert.

« Durch den Standard ist ein neuer und sehr intensiver Austausch entstanden. »

Brands Fashion setzt auf Fairtrade und hat bereits nach dem ersten Fairtrade-Textilstandard. Im Interview berichtet das deutsche Textilunternehmen, warum der neue Standard überzeugt und welchen Mehrwert er Brands bietet.

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« Gesundheit, Wohlbefinden und Sicherheit der Mitarbeitenden haben höchste Priorität! »

Das Textilunternehmen Sags Apparels in Tiruppur ist ein Familienbetrieb. Der heute 46-jährige Ganesh Anantharaman gründete es im Jahr 2005 zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder. Als erstes Unternehmen weltweit bietet es nach dem Fairtrade Textile Factory Standard zertifizierte Textilien an. Die gemeinsame Vision: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als festen Bestandteil des Geschäftsmodells verankern.

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Ein Mann in einem weißen Hemd steht in einer Textilfabrik

« Für mich fühlt sich dieses Unternehmen wie ein sicheres zweites Zuhause an. »

Geetha arbeitet seit 15 Jahren in der Textilbranche. Seit drei Jahren ist die 38-Jährige als Schneiderin bei Sags Apparels beschäftigt. Im Interview spricht sie über ihre Familie, ihre Motivation zu arbeiten und darüber, warum sie die Arbeitsbedingungen in ihrem Unternehmen besonders schätzt.

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Eine Frau in einem grünen Arbeitstitel steht an einem Tisch und lächelt.