Fairtrade unterstützt Appell für Mittel für Entwicklungszusammenarbeit
Heute legte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Haushalts 2027 vor. Fairtrade Deutschland schließt sich einem breiten zivilgesellschaftlichen Appell von über 150 NGOs an, der von VENRO und ONE koordiniert wird: Die Bundesregierung muss die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe deutlich aufstocken, statt sie weiter zu kürzen.
Kürzungen gefährden Jahrzehnte des Fortschritts
Seit 2022 ist der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um 27 Prozent gesunken. Die Mittel für humanitäre Hilfe sogar um mehr als 70 Prozent. Und es drohen erneut massive Einschnitte. Dabei zeigen Daten, was auf dem Spiel steht: Laut einer aktuellen Studie im Fachmagazin The Lancet könnten bis 2030 bis zu 9,4 Millionen Menschen zusätzlich sterben, wenn die internationalen Mittel für öffentliche Entwicklungshilfe weiter einbrechen. Weltweit sind derzeit rund 239 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Finanziert sind bislang laut UN OCHA lediglich zehn Prozent der dafür notwendigen Mittel für 2026.
Dabei hat internationale Zusammenarbeit in den vergangenen Jahrzehnten nachweislich Wirkung gezeigt: Die weltweite Kindersterblichkeit hat sich seit 2000 mehr als halbiert, die Müttersterblichkeit ist um über ein Drittel gesunken, und Kinderlähmung wurde nahezu ausgerottet. HIV ist dank erschwinglicher Medikamente kein Todesurteil mehr. Millionen Kinder – insbesondere Mädchen – gehen heute erstmals zur Schule, auch in Krisenregionen.
Fairtrade Deutschland steht für globale Gerechtigkeit
Fairer Handel und Entwicklungszusammenarbeit verfolgen die gleiche Mission: gerechte Lebens- und Arbeitsbedingungen für Menschen im globalen Süden. Produzentinnen und Produzenten, die Fairtrade-zertifizierte Produkte wie Kaffee, Kakao oder Bananen anbauen, sind auf stabile internationale Rahmenbedingungen angewiesen. Darunter auch auf funktionierende Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsysteme, die häufig durch Entwicklungszusammenarbeit mitfinanziert werden. Kürzungen in diesen Bereichen treffen sie unmittelbar.
Die Forderung: Investitionen statt Rückzug
Die unterzeichnenden Organisationen fordern konkret: einen BMZ-Etat von mindestens 11,2 Milliarden Euro im Haushalt 2027 sowie eine Aufstockung der humanitären Hilfe auf mindestens 2,8 Milliarden Euro. Deutschland hat als eine der größten Volkswirtschaften der Welt eine besondere Verantwortung und eine lange Erfolgsgeschichte in der internationalen Zusammenarbeit, auf die es aufzubauen gilt.
Fairtrade Deutschland ruft die Bundesregierung auf, dieser Verantwortung gerecht zu werden und zu investieren, wo Investitionen nachweislich Leben retten und Chancen schaffen.
„Wer bei der Entwicklungszusammenarbeit kürzt, kürzt bei den Menschen, die ohnehin am wenigsten haben. Daher fordert Fairtrade Deutschland von der Bundesregierung, sich stärker für faire Lieferketten und ein Leben und Arbeiten in Würde einzusetzen. Kürzungen muss jetzt gegengesteuert werden", so Claudia Brück, Vorständin Kommunikation und Politik, Fairtrade Deutschland.