Über Kaffee, Mut und Verantwortung: Lindas Weg mit der Kooperative APROCASSI
Linda Castillo Córdoba bewirtschaftet ihr Land in den Hochlagen der peruanischen Anden – allein, mit sechs Kindern und dem festen Willen, nicht aufzugeben. Unterstützt wurde sie dabei von der Fairtrade-Kooperative APROCASSI, die ihr Zugang zu Frauenförderungsprogrammen eröffnet hat. Heute blickt sie auf eine Farm mit über 30 Jahre alten Kaffeepflanzen, eine Vorstandszeit und eine klare Botschaft: „Es ist möglich."
Linda Castillo Córdoba lebt und arbeitet auf ihrem eigenen Stück Land in Puerto San Antonio in Peru. Eingebettet in die Hochlagen der Anden mit tropisch-feuchten Klima, fruchtbaren Böden und dichten Nebelwäldern ist die Region geeignet für den Anbau von Arabica-Kaffeebohnen, die hier langsam und gleichmäßig reifen. Für Bäuerinnen und Bauern wie Linda ist Kaffee seit Generationen mehr als eine Einkommensquelle. Er ist fester Bestandteil des Landschaftsbildes und Grundlage ihres Lebensunterhalts. Heute ist Kaffee die primäre Einkommensquelle und das wertvollste Produkt der Region.
Verantwortung und Mut
Seit dem Jahr 2000 ist Linda Mitglied der Kooperative APROCASSI - seit 2012 als vollwertiges Mitglied. Bevor sie selbst aktiv wurde, lag die wirtschaftliche Verantwortung bei ihrem Mann. Sie kümmerte sich primär um die Familie. 2012 veränderte sich ihr Leben komplett: Von heute auf morgen stand sie ohne ihren Mann da und wurde zur Alleinversorgerin. Mit sechs kleinen Kindern übernahm sie die Verantwortung für alles. „Vater und Mutter zugleich zu sein, war eine sehr, sehr schwere Aufgabe“, sagt sie. Trotzdem wollte sie ihr Land weiter bewirtschaften und zeitgleich ihre Kinder großziehen. Und das hat sie geschafft. Die Kooperative war für sie eine große Unterstützung. Linda begann, an Frauenförderungsprogrammen von Fairtrade teilzunehmen: Trainings und Initiativen rund um Führung und Weiterentwicklung, um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern und mehr aus ihrem Stück Land rauszuholen. „Ich habe so viel gelernt. Dinge, die ich als junge Frau nicht lernen konnte“, sagt sie. Sie hatte damals keinen Zugang zu einer weiterführenden Ausbildung. Durch die Kooperative lernte sie, Problemlösungen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und erlernte Finanzgrundlagen. Von 2018 bis 2019 ging sie noch einen Schritt weiter. Linda war in der Zeit Teil des Vorstands. „Für mich war das unglaublich wertvoll – als Produzentin, als Person und auch als Mitglied“, sagt sie über diese Zeit.
Chancen nutzen
Für Linda ist klar, dass die Möglichkeiten da sind, aber auch genutzt werden müssen. In ihrer Kooperative werden Frauen aktiv eingeladen, sich einzubringen. Das ist nicht überall so. „Das Empowerment von Frauen hängt sehr von ihrer Ausbildung und vom Interesse jeder einzelnen Frau ab“, sagt Linda. Fairtrade ist für sie ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. „Fairtrade ist nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern vermittelt auch Wissen, das unsere Fähigkeiten stärkt – als Produzenten und als Führungspersonen“, sagt sie. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten spiele das eine große Rolle und helfe ihnen, mit Preisrückgängen umzugehen und als Kleinproduzenten bestehen zu können. Dabei unterstützen spezifische Programme der Kooperative, wie zum Beispiel Aproreyna: Im Rahmen dieses Programms bauten sich mehr als 50 Frauen neben dem Kaffeeanbau ein zweites Standbein auf: Bio-Honig. Das Ergebnis: 30 Prozent mehr Einkommen und wirtschaftliche Eigenständigkeit. Diese Einkommensdiversifizierung spielt vor allem im Rahmen des Klimawandels eine große Rolle.
Den Kaffee schützen
Auf ihrer Farm setzt Linda auf nachhaltige Anbauethoden. Sie verzichtet darauf, Land zu roden und erhält den Boden als organische Grundlage. Schattenbäume helfen dabei, die Qualität des Bodens zu sichern. Einige ihrer Kaffeepflanzen sind so bereits über 30 Jahre alt geworden. „Das sind Pache-Pflanzen“, erklärt sie. Diese hätten sich als widerstandsfähig gegenüber Kaffeerost erwiesen, einer aggressiven Pilzerkrankung. „Der Kaffee hier wurde schon von unseren Vorfahren angebaut – er gehört zu dieser Region, seit Menschen hier leben", erzählt sie.