Ohne Frauen kein Kaffee: FAIRTRADE-Frauen-Kaffeekooperative Kokowagayo
Rizkani gründete 2014 gründete die Frauenkooperative Kokowagayo – gemeinsam mit 21 anderen Gründerinnen. Heute vereint die Kooperative 674 Bäuerinnen aus 15 Dörfern, die gemeinsam über 470 Hektar Fairtrade-zertifizierten Bio-Kaffee anbauen. Alle Mitglieder sind Frauen.
Rizkani, besser bekannt als Bu Ani, stammt aus der indonesischen Provinz Aceh auf der Insel Sumatra – einer Region, deren vulkanische Böden und hohe Niederschlagrate ideale Bedingungen für den Kaffeeanbau bieten. Aufgewachsen in einer Familie, die Landwirtschaft und Handel miteinander verband, war Kaffee von Anfang an Teil ihres Alltags. Schon als Kind begleitete sie ihre Eltern regelmäßig und lernte früh die Arbeit auf den Kaffeefeldern kennen. Nach ihrer Heirat führte sie zunächst ein Nähgeschäft von zu Hause. 2009 trat ihr Ehemann einer Kaffee-Kooperative bei und Rizkani schloss sich an. Bald erkannte sie, dass Frauen im Kaffeeanbau eine zentrale Rolle spielen: Sie kümmern sich um fast alle Arbeitsschritte – und dennoch sind ihre Interessen in den Kooperativen und Abstimmungen oft unterrepräsentiert.
Die Frauen-Kooperative Kokowagayo startet durch
„Viele Frauen kommen, setzen sich still hin und gehen wieder nach Hause. Sie fühlen sich nicht ermutigt, ihre Stimme zu erheben. Die größten Herausforderungen für Kaffeebäuerinnen sind Landbesitz und kulturelle Faktoren“, beschreibt Rizkani das Problem. 2014 gründete sie daher die Frauenkooperative Kokowagayo – gemeinsam mit 21 anderen Gründerinnen. Heute vereint die Kooperative 674 Bäuerinnen aus 15 Dörfern, die gemeinsam über 470 Hektar FAIRTRADE-zertifizierten Bio-Kaffee anbauen. Alle Mitglieder sind Frauen. Sie sind Eigentümerinnen der Farmen, Managerinnen der Kooperative und gewählte Delegierte. Eine Generalversammlung mit 18 Delegierten, ein ausschließlich weiblicher Vorstand und 14 Sammlerinnen sorgen dafür, dass Entscheidungen demokratisch und partizipativ getroffen werden. Was als Schutzraum begann, ist heute eine starke wirtschaftliche Organisation mit internationaler Ausrichtung: Seit 2015 ist die Kooperative FAIRTRADE- und bio-zertifiziert und exportiert in die USA, nach Kanada, Europa, Australien, Großbritannien und Südkorea.
Unterstützung, Weiterbildung und Zusammenhalt
Neben der Vermarktung setzt Kokowagayo vor allem auf Bildung und Training für Frauen. Viele Bäuerinnen möchten auf die Felder gehen, sorgen sich aber um ihre kleinen Kinder. Deshalb richtete die Kooperative ein frühkindliches Bildungszentrum ein. Außerdem erhalten die Frauen Schulungen zu Pflanzpflege, Ernteaufzeichnungen und Verarbeitung, sodass sie die Qualität ihres Kaffees selbstständig verbessern können. Unterstützung durch Familie und Mentoren war entscheidend für Rizkanis Weg: Ihr Ehemann übernahm viele administrative Aufgaben, ihr älterer Bruder vermittelte Wissen über Exportprozesse. „Viele Frauen-Kooperativen scheitern, weil die Familie nicht unterstützt. Ich hatte Glück, dass mein Mann und meine Familie hinter mir stehen.“
FAIRTRADE-Prämie unterstützt die Kooperative
Die FAIRTRADE-Prämie ermöglicht konkrete Verbesserungen: 50.000 Bäume wurden seither gepflanzt, Setzlinge an 273 Bäuerinnen verteilt, 200 Produzentinnen nutzen gemeinsam neue Entsaftungsmaschinen. Eine Ambulanz versorgt zwei Dörfer, Gesundheitszentren wurden ausgestattet, Frühbildungsangebote geschaffen und Versammlungsräume für Frauen eingerichtet. Die Prämien können direkt für die Bedürfnisse der Frauen eingesetzt werden – sie entscheiden selbst.
Ohne Frauen kein Kaffee
Heute, zwölf Jahre nach der Gründung, hat sich vieles verändert. Frauen können eigenständig Bäume schneiden, Ernteaufzeichnungen führen und Entscheidungen über Prämien und Investitionen treffen. In den eigens geschaffenen Frauensitzungen sind sie aktiv, präsent und selbstbewusst. Rizkanis Botschaft an alle Kaffeetrinker*innen ist klar: