Tag des Baumes: Die technischen Herausforderungen des Waldschutzes meistern
Wie FAIRTRADE Kakaobäuer:innen in Westafrika dabei unterstützt, Geolokalisierungsdaten zum Schutz der Wälder zu verwalten.
In Österreich wird jährlich am 25. April der Tag des Baumes gefeiert – ein Anlass, um die Bedeutung des Waldes für Mensch und Gesellschaft bewusst zu machen. Ein wichtiger Aspekt betrifft den Entwaldungsschutz: Unternehmen, die Kaffee, Kakao und andere Produkte in die Europäische Union einführen, müssen basierend auf der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) in Zukunft nachweisen, dass diese Rohstoffe nicht aus (in einem genau definierten Zeitraum) abgeholzten Gebieten stammen.
Der Nachweis erfolgt in Form von aktuellen und historischen Geolokalisierungsdaten. Für jede Anbaufläche, auf der in den EU-Markt importierter Kakao oder Kaffee angebaut wird, müssen die Geolokalisierungs-Koordinaten dokumentiert werden: als einzelner Punkt bei Flächen unter vier Hektar oder als „Polygon“, das den Umfang größerer Flächen über mehrere Geolokalisierungspunkte hinweg nachzeichnet.
Zwar liegt es in der Verantwortung der Importeure, diese Daten an die EU zu übermitteln, in der Praxis wird diese Verantwortung jedoch oftmals an die Bauernkooperativen weitergereicht. Für die betroffenen Kooperativen ist es von Vorteil, bereits bei Inkrafttreten der EUDR über hochwertige Daten zu verfügen, da dies ihre Fähigkeit zur Überwachung und Verhinderung von Entwaldung verbessert.
Was beinhaltet die Erfassung von Geolokalisierungsdaten und warum ist sie so kompliziert?
Die Grundlage für die Überwachung der Entwaldung sind Daten über die Lage der landwirtschaftlichen Parzellen. Doch diese Datenerhebung und -verwaltung ist für viele Bäuer:innen und Mitarbeiter:innen von Koopertiven eine große Herausforderung. Der erste Schritt besteht darin, über die richtige Technologie und das Know-how zur Erfassung von Geolokalisierungsdaten zu verfügen.
Die Expert:innenteams von Fairtrade Africa sahen sich mit ähnlichen Herausforderungen bezüglich der Datenqualität konfrontiert, als die Kooperativen begannen, Geolokalisierungsdaten zu erfassen. Beispiele hierfür sind:
- ein einzelner Punkt statt eines Polygons für eine Farm mit mehr als vier Hektar,
- Fehler in den Koordinaten, die zu überlappenden oder unrealistischen Parzellenformen führen,
- doppelte Einträge, zum Beispiel, wenn dieselbe Parzelle mit zwei verschiedenen Landwirt-ID-Nummern erfasst wurde.
Hoher Verwaltungsaufwand, FAIRTRADE unterstützt
Die Daten im Blick zu behalten, erfordert zudem einen erheblichen Verwaltungsaufwand, da Kooperativenmitglieder wechseln, Parzellen Besiterz:in wechseln oder innerhalb einer Familie aufgeteilt werden können. Dies erfordert regelmäßige Aktualisierungen der Aufzeichnungen.
Fairtrade Africa begann daher bereits vor einigen Jahren damit, Kakao-Kooperativen in Westafrika über die EUDR zu informieren. Anschließend führten die FAIRTRADE-Mitarbeiter:innen schrittweise Schulungen und Unterstützung speziell zur Datenerhebung und zu den von der EUDR geforderten Datenformaten ein.
Unterschiedliche Ansätze sind notwendig
Um mehr als 240 Genossenschaften in der Elfenbeinküste zu unterstützen, leistet Fairtrade Africa mit einem Team von Datenanalyst:innen vor allem Fernunterstützung. Sie bieten auch andere Schulungen an, beispielsweise zu anderen Aspekten der FAIRTRADE-Standards, um Themen rund um die EUDR und das Geolokalisierungsdatenmanagement zu vermitteln. In Ghana gibt es acht Kooperativen. Die Unterstützung kann dort praxisorientierter sein.
„Es gibt bestimmte Dinge, die sich nicht in einer einmaligen Schulung lösen lassen“, sagte Baaman Chatin, Kakaoexperte von Fairtrade Africa und für Ghana und Sierra Leone zuständig. „Deshalb bieten wir kontinuierliche Unterstützung an und coachen sie, damit sie die Kapazitäten ihrer Kooperativen aufbauen können, um Geolokalisierungsdaten ordnungsgemäß zu erfassen und zu verwalten.“
Beispielsweise arbeiten die Datenanalyst:innen von Fairtrade Africa mit den Kooperativen zusammen, um Datenfehler zu kennzeichnen und Korrekturen zu unterstützen.
Partnerschaft mit Satelligence
Dank der Partnerschaft von Fairtrade International mit dem Naturtechnologieunternehmen Satelligence können Kooperativen ihre Geolokalisierungsdaten einreichen und diese anhand von Satellitenbildern bewaldeter Gebiete zum Stichtag 1. Januar 2018 analysieren lassen. Eine neue digitale Plattform von Fairtrade International wird es Kooperativen bald ermöglichen, ihre Daten direkt hochzuladen, ihre Parzellen visualisiert zu sehen und innerhalb von Minuten einen Risikobericht zu erhalten.
FAIRTRADE-Mitarbeiter:innen fördern zudem die Datenkompetenz, die für viele Bäuer:innen keine Selbstverständlichkeit ist. In der „Young Cooperative Managers Academy“ und der „Women’s School of Leadership“ von Fairtrade Africa in Westafrika erwerben jüngere Generationen von Bäuer:innen Managementkompetenzen. In der Regel verfügen sie auch über mehr technisches Know-how, um Genossenschaften bei der Datenverwaltung und -analyse zu unterstützen.
Von den mehr als 240 FAIRTRADE-Kakaokooperativen in der Elfenbeinküste verfügen nach Schätzungen von Dimitri Sidoine, ebenfalls Kakao-Experte von Fairtrade Africa, weniger als 100 über Daten ihrer Händler:innenpartner. Das macht es umso wichtiger, dass sie ihre eigenen Daten erheben und unter ihrer eigenen Kontrolle verwalten.
„Einige Kooperativen sind mittlerweile durchaus in der Lage, den Prozess der Datenerhebung und -korrektur selbstständig zu bewältigen“, sagte Baaman. Das zeigt, dass sie ihre Fähigkeiten im Datenmanagement weiterentwickeln. Dennoch stehen wir ihnen weiterhin zur Seite, wenn sie Unterstützung benötigen.“
Finanzielle und personelle Ressourcen
Der Aufbau und die Aufrechterhaltung dieser Kapazitäten erfordern jedoch Ressourcen, sowohl finanzielle als auch personelle.
„All dies ist möglich, wenn die Kooperativen über einen ausreichenden Markt verfügen und genug zu FAIRTRADE-Bedingungen verkaufen können“, sagte Dimitri. Das bedeutet, dass sie für diese Verkäufe die FAIRTRADE-Prämie erhalten. „Sie können ihre FAIRTRADE-Prämiengelder beispielsweise in die Infrastruktur für das Datenmanagement investieren, haben aber auch andere Bedürfnisse. Wenn sie nur 100 Tonnen ihrer Ernte zu FAIRTRADE-Bedingungen verkaufen können, reicht das nicht aus, um die Kosten für die jährliche Erhebung und Verwaltung all dieser Daten zu decken.“
Deshalb verlangt Fairtrade International von den Händlern, die Kooperativen, von denen sie Rohstoffe kaufen, bei ihren Bemühungen zur Verhinderung und Eindämmung der Entwaldung zu unterstützen. Zudem fordert Fairtrade International Unternehmen und Regierungen weiterhin dazu auf, mehr zu tun, um sicherzustellen, dass die Last der EUDR nicht ungerechtfertigt auf den Bäuer:innen im Globalen Süden lastet.
Der Kauf von FAIRTRADE-Produkten ist daher ein wichtiger Weg, um waldfreundlichen Kakao zu unterstützen. Die Stärkung der Lebensgrundlagen der Bäuer:innen und der Schutz der Wälder können und müssen dabei Hand in Hand gehen.
Waldschutz in FAIRTRADE-Lieferketten
Die Abholzung von Wäldern ist eine treibende Kraft des Klimawandels und trägt zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Die FAIRTRADE-Standards enthalten Anforderungen zum Schutz der Wälder, die über die Anforderungen der EU-Vorschriften hinausgehen. Zusätzlich bietet FAIRTRADE den Erzeuger*innen Unterstützung und finanziellen Mehrwert. Fairtrade setzt sich dafür ein, die Ursachen der Entwaldung abzubauen, darunter Armut, damit Bäuerinnen und Bauern ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und zum Walderhalt leisten können.
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