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Neuer FAIRTRADE-Standard stärkt Löhne in Textilfabriken

  • 04.09.26
  • Faire Einkommen

Der neue Standard konzentriert sich auf die letzte Produktionsstufe der Textilherstellung, die Nähereien. Künftig tragen Fabriken und Unternehmen gemeinsam dazu bei, die Lücke zu existenzsichernden Löhnen zu verkleinern.

FAIRTRADE hat seinen Textilstandard grundlegend überarbeitet und als „FAIRTRADE Textile Factory Standard” neu veröffentlicht. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Textilindustrie im Globalen Süden schneller und wirkungsvoller zu verbessern und besonders viele Beschäftigte erreichen können. Im Mittelpunkt stehen zwei wesentliche Neuerungen: die Konzentration auf die letzte Produktionsstufe in der Textilherstellung, sowie ein neuer Ansatz zur schrittweisen Annäherung an existenzsichernde Löhne.

Künftig gilt der FAIRTRADE Textile Factory Standard deshalb ausschließlich für die sogenannte Cut-Make-Trim-Phase (Näherei), wo die Kleidungsstücke zugeschnitten, genäht und fertiggestellt werden. Dort arbeitet der Großteil der Beschäftigten, daher sind hier die sozialen Auswirkungen sowie die Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen besonders groß.

Gemeinsame Verantwortung für höhere Löhne

Ein Schwerpunkt des neuen Standards ist die Verbesserung der Einkommen von Textilarbeiter:innen. FAIRTRADE setzt dabei auf einen neuen Ansatz: Fabriken und Unternehmen sollen gemeinsam dazu beitragen, die Einkommen der Textilarbeiter schrittweise an existenzsichernde Löhne anzunähern.

Hierfür führte FAIRTRADE zwei Instrumente ein.

  • Höherer Grundlohn für alle Beschäftigten: Zertifizierte Fabriken müssen allen Arbeiter:innen ab dem Zeitpunkt der Zertifizierung einen Grundlohn zahlen.
  • Living-Wage-Differential für FAIRTRADE-Aufträge: Zusätzlich zahlen Unternehmen für FAIRTRADE-Produkte einen Lohnzuschlag.

Beide Maßnahmen zusammen bilden einen transparenten und nachvollziehbaren Mechanismus, der die Einkommenslücke zu existenzsichernden Löhnen schrittweise verringern soll.

Der neue Standard stärkt zudem die Rolle der Beschäftigten innerhalb der Fabriken. Arbeiter:innen werden künftig stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden und erhalten mehr Einfluss auf die Zusammenarbeit mit wichtigen Beschaffungspartnern.

Zudem müssen zertifizierte Fabriken ihr Bekenntnis zur Vereinigungsfreiheit gegenüber registrierten Gewerkschaften dokumentieren. Auch die Anforderungen an Gesundheit und Sicherheit werden weiterentwickelt.

Mehr Wirkung durch bessere Umsetzbarkeit

Mit der Neuausrichtung reagiert FAIRTRADE auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Der im Jahr 2016 eingeführte Textilstandard sollte ursprünglich die gesamte Lieferkette vom Baumwollsamen bis zum fertigen Produkt abdecken.

Die praktische Anwendung blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. FAIRTRADE hat deshalb Struktur und Anforderungen überarbeitet und den Standard stärker auf die letzte Produktionsstufe konzentriert.

Der neue FAIRTRADE Textile Factory Standard setzt damit einen klareren Schwerpunkt: auf die Beschäftigten in den Nähereien, ihre Arbeitsbedingungen, ihre Mitbestimmung und auf einen gemeinsamen Beitrag von Fabriken und Markenunternehmen auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen.