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Nachhaltige Landwirtschaft gelingt nur, wenn Bäuer:innen davon leben können

  • 16.06.26

Regenerative Landwirtschaft und biologischer Anbau sind wichtige Ansätze. Ohne die Perspektive und wirtschaftliche Realität der Bäuer:innen bleiben sie jedoch unvollständig. Deshalb ist der Nachhaltigkeitsansatz von Fairtrade in der Agrarökologie verankert.

In den vergangenen Jahren hat der Begriff «regenerativ» in der Lebensmittelbranche stark an Bedeutung gewonnen. Doch was bedeutet regenerative Landwirtschaft konkret? Worin unterscheidet sie sich vom biologischen Anbau? Und welche Rolle spielt der weniger bekannte Ansatz der Agrarökologie?

Diese Fragen sind zentral für Unternehmen, die ihre Lieferketten nachhaltiger gestalten und dabei ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam berücksichtigen wollen.

Regenerative Landwirtschaft verfügt derzeit über keine allgemein verbindliche Definition. Grundsätzlich lässt sie sich als Sammlung landwirtschaftlicher Praktiken verstehen, die darauf abzielen, die Bodengesundheit als Grundlage des gesamten landwirtschaftlichen Ökosystems zu verbessern. Im Zentrum stehen die Stärkung der Bodenfunktionen und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Dazu tragen unter anderem reduzierte Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte, vielfältige Fruchtfolgen, gezielte Weideführung und die Förderung der Biodiversität bei. Eine verbesserte Kohlenstoffspeicherung kann daraus als positive Folge entstehen.

Biologisch oder regenerativ? 

Auf den ersten Blick weist regenerative Landwirtschaft zahlreiche Parallelen zum biologischen Anbau auf. Beide Ansätze zählen zu anerkannten guten landwirtschaftlichen Praktiken. Der wichtigste Unterschied liegt im Fokus: Biologische Landwirtschaft ist inputbasiert und durch klare Standards definiert. Regenerative Landwirtschaft stellt Bodengesundheit und deren Messbarkeit in den Mittelpunkt. Befürworter:innen der regenerativen Landwirtschaft argumentieren, dass dieser Ansatz auf die Wiederherstellung von Ökosystemen abzielt, während biologische Landwirtschaft vor allem darauf ausgerichtet ist, negative Auswirkungen auf Ökosysteme zu reduzieren.

In der Debatte wird jedoch häufig ein zentraler Aspekt vernachlässigt: die Perspektive der Bäuer:innen. Oft wird zu wenig berücksichtigt, welche zusätzlichen finanziellen Mittel sie benötigen, um entsprechende Praktiken umzusetzen. Dadurch kann eine unverhältnismässige finanzielle Belastung für Bäuer:innen und Arbeiter:innen entstehen. Hier setzt Agrarökologie an.

Agrarökologie als ganzheitlicher Ansatz

Agrarökologie zielt darauf ab, die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren, Menschen und Umwelt zu stärken. Sie versteht Landwirtschaft als Teil eines umfassenden Landwirtschafts- und Ernährungssystems, das ganzheitlich nachhaltiger gestaltet werden muss. Dazu berücksichtigt sie neben ökologischen auch soziale und wirtschaftliche Aspekte. 

Damit geht Agrarökologie über Ansätze wie den biologischen Landbau hinaus, der sich stärker auf ökologische Produktionsweisen konzentriert. In der Praxis unterstützt und fördert Agrarökologie sowohl regenerative als auch biologische Praktiken, darunter viele der oben genannten Ansätze. Zentral ist dabei die Anerkennung, dass umweltfreundliche Anbaumethoden und die wirtschaftliche Tragfähigkeit für Bäuer:innen voneinander abhängen. Diese Tragfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für jeden wirklich nachhaltigen landwirtschaftlichen Ansatz.

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Label

Agrarökologie trägt dazu bei, finanzielle und soziale Dynamiken in Ansätzen für mehr Umweltverträglichkeit mitzudenken. Deshalb steht Agrarökologie im nachhaltigen Landwirtschaftsansatz von Fairtrade im Zentrum.

Fairtrade arbeitet mit Bäuer:innen zusammen, um nachhaltigere landwirtschaftliche Praktiken zu fördern. Dazu gehören unter anderem Kompostierung, ein reduzierter Einsatz synthetischer Pflanzenschutz- und Düngemittel, der Anbau von Zwischenfrüchten, die Förderung der Agrobiodiversität durch Mischkulturen und Agroforstwirtschaft sowie effiziente Wassermanagementpraktiken. Ergänzend dazu sind Schulungen in den Anbauregionen, technische Unterstützung und Programme von Fairtrade darauf ausgerichtet, Wissen dort zu stärken, wo Bedarf besteht – ohne zusätzliche Kosten für die Bäuer:innen. 

Fairtrade-Bäuer:innen werden bei der Umsetzung nachhaltiger Praktiken durch ein Preismodell mit Mindestpreis und Prämie unterstützt. Der Fairtrade-Mindestpreis dient als Sicherheitsnetz, wenn Marktpreise fallen, und kann dadurch zu mehr Planungssicherheit beitragen. Zusätzlich erhalten Fairtrade-Kooperativen die Fairtrade-Prämie, über deren Einsatz sie demokratisch und eigenständig entscheiden.

Begriffe wie regenerativ, biologisch oder Agrarökologie entfalten ihre Bedeutung erst dann vollständig, wenn die Menschen und Gemeinschaften hinter den Lebensmitteln mitgedacht werden. Deshalb stellt Fairtrade die Bäuer:innen ins Zentrum und verbindet ökologische Gesundheit mit sozialem und wirtschaftlichem Wohlergehen.