Fairtrade International veröffentlicht Jahresbericht 2025: Fairness First
Fairtrade International hat anlässlich seiner jährlichen Generalversammlung den Jahresbericht 2025 veröffentlicht. Unter dem Titel "Fairness First" zeigt er die Fortschritte beim Aufbau eines gerechteren Handelssystems und bei der Stärkung der Resilienz von Produzierenden auf und blickt gleichzeitig auf eine ambitionierte neue Strategie.
„Dieser Bericht zeigt, was wir gemeinsam mit Bäuer:innen, Arbeiter:innen, Unternehmen und Partnern weltweit erreicht haben, während unsere neue Strategie eine klare Richtung vorgibt, um unsere Wirkung zu verstärken und landwirtschaftliche Gemeinschaften angesichts immer komplexerer globaler Herausforderungen zu unterstützen", sagt Marike Runneboom de Peña, Global CEO von Fairtrade International.
Trotz eines schwierigen globalen Umfelds mit geopolitischen Spannungen, volatilen Märkten und zunehmendem Klimadruck verzeichnet Fairtrade bedeutende Erfolge. Das zeigt auch eine Auswertung von 122 Studien. Sie belegt positive Effekte für Produzierende sowohl bei wirtschaftlicher Sicherheit, Klimaresilienz als auch Chancengleichheit für Frauen.
Eine Milliarde Euro Fairtrade-Prämien
Mit dem Jahresbericht endet auch die Strategieperiode 2021–2025. Die Bilanz: Produzentenorganisationen haben zwischen 2020 und 20025 mehr als 1 Milliarde Euro allein an Fairtrade-Prämien erwirtschaftet. Die Prämie wird zusätzlich zum Verkaufspreis der Rohstoffe bezahlt. Die Gelder investieren die Produzentenorganisationen unter anderem in Projekte für Bildung, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und Klimaanpassung. Darüber hinaus wurden 12 neue strategische Partnerschaften geschlossen und 59 Millionen Euro für 111 Produzentenprojekte zu Klimaresilienz, Frauenförderung, Jugendchancen und Arbeiterrechte eingeworben.
Mehr Unternehmen zahlen Living Income Referenzpreise
Besonders hervorzuheben ist das wachsende Unternehmensengagement für existenzsichernde Einkommen. 15 Handelspartner zahlen inzwischen Living Income Referenzpreise für Kakao und tragen dazu bei, dass landwirtschaftliche Haushalte im globalen Süden ein existenzsicherndes Einkommen erwirtschaften können. Insgesamt hat Fairtrade 2025 allein 16 Living Income Referenzpreise veröffentlicht, überprüft oder aktualisiert und deckt damit 30 Referenzpreise für neun Produkte in 22 Ländern ab.
Wachstum und Innovation
Mit dem Ziel, die Fairtrade-Standards wirkungsvoller und gleichzeitig praxistauglicher zu machen, hat Fairtrade 2025 begonnen, seine Standards im Zuge des Standard Evolution Prozesses (STEP) grundlegend weiterzuentwickeln und eine breite Palette an Standards in zentralen Produktbereichen zu überarbeiten. Sie sind fest verankert in den Grundwerten des Vereins. Auch die Märkte in Produzentenregionen wurden weiter ausgebaut: In Lateinamerika verkaufen 29 Produzentenorganisationen Fairtrade-zertifizierte Produkte wie Kaffee, Wein und Säfte inzwischen direkt in ihrer eigenen Region. Allein in Brasilien stieg die Zahl der Fairtrade-Lizenznehmer bis Ende 2025 auf 40 – darunter 14 brasilianische Kaffeekooperativen.
Digitalisierung und Advocacy für gerechtere Lieferketten
Fairtrade hat seine digitalen Transparenz- und Rückverfolgbarkeitstools weiter ausgebaut. 2025 wurde die überarbeitete Impact Plattform gelauncht – mit Daten-Dashboards für sieben Schlüsselprodukte, Informationen zu Projekten weltweit und mehr als 50 beauftragten Wirkungsstudien. In Sachen Fairtrade-Advocacy hat sich Fairtrade in den Jahren 2024–2025 bei etwa 30 gesetzliche Änderungen eingebracht, darunter die EU-Lieferkettensorgfaltspflichtrichtlinie (CSDDD), die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) und die EU-Öko-Verordnung.
Ausblick: Globale Strategie 2026–2028
Die neue Strategie von Fairtrade International setzt klare Prioritäten:
- Entwicklung eines globalen Nachhaltigkeitsprogramms für Bananen, Kakao und Kaffee
- Grundlegende Weiterentwicklung der Standards
- Neue digitale Tools für Geolokalisierungsdaten und EUDR-Readiness in Kaffee- und Kakaolieferketten
- Ausbau von Rückverfolgbarkeitssystemen für Compliance, Qualitätssicherung und Vertrauen
- Entwicklung innovativer Beschaffungsmodelle
- Stärkung der kommerziellen Zusammenarbeit, um Märkte und Wirkung für Produzierende weiter auszubauen.