Coffee Barometer 2026: Einschätzung von Fairtrade Max Havelaar
Der neue Coffee Barometer 2026 zeigt, dass der globale Kaffeesektor von strukturellen Ungleichheiten geprägt bleibt. Für Fairtrade Max Havelaar ist klar: Nur wenn Kaffeebäuer:innen von ihrer Arbeit leben können, sind Investitionen in Produktivität, Qualität und Klimaanpassung möglich. Ein zukunftsfähiger Kaffeesektor braucht deshalb verbindliche Regeln, grössere Rechenschaftspflicht und eine fairere Verteilung von Wertschöpfung und Risiken.
Der Coffee Barometer 2026 beschreibt die Herausforderungen im Kaffeeanbau: volatile Preise, steigende Produktionskosten, Klimarisiken und eine begrenzte Verhandlungsmacht von Kleinbäuer:innen. Der grösste Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung wird weiterhin nicht dort erzielt, wo der Kaffee angebaut wird.
Fairtrade Max Havelaar teilt die Einschätzung des Berichts, dass freiwillige Nachhaltigkeitsinitiativen wichtige Beiträge leisten in globalen Lieferketten, aber zentrale Probleme nicht grundlegend verändern können. Deshalb unterstützt Fairtrade neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die EU-Richtlinie zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht im Bereich Nachhaltigkeit (CSDDD) und die EU-Richtlinie zur Stärkung der Konsument:innen (EmpCo). Sie können dazu beitragen, Nachhaltigkeit stärker über verbindliche Regeln für alle, statt über freiwillige Massnahmen abzusichern. Gleichzeitig bergen diese Regulierung auch Risiken. Wenn Unternehmen zusätzliche Anforderungen und Kosten an Kleinbäuer:innen weitergeben, können jene belastet werden, die eigentlich besser geschützt werden sollen – das darf nicht sein.
Kleinbäuer:innen nicht mit Kosten allein lassen
Fairtrade hebt sich unter den freiwilligen Nachhaltigkeitssystemen ab dank dem Fairtrade-Mindestpreis, der in unsicheren Märkten Stabilität bietet, und der Fairtrade-Prämie, über deren Verwendung die Produzent:innen selbst entscheiden. Ergänzt wird dies durch Trainings für bessere Preisverhandlungen, verantwortungsvolle Einkaufspraktiken im Fairtrade-Händlerstandard, unabhängige Zertifizierung und die Mitbestimmung von Produzent:innen. Auch die Living-Income-Referenzpreis-Methodik trägt dazu bei, faire Handelsbeziehungen zu fördern – mit langfristigen Verpflichtungen, geteiltem Risiko und mehr Verantwortung beim Einkauf.Nebst all diesen Massnahmen finanzieller Natur erhalten Fairtrade-Produzentenorganisationen ausserdem Unterstützung durch Trainings, Datenarbeit und digitale Instrumente, etwa Entwaldungsrisiko-Berichte auf Basis von Geodaten in Zusammenarbeit mit Satelligence, oder das erleichterte Teilen und Verwalten EUDR-relevanter Daten über die Plattform Plot Insights.
Welchen Unterschied macht Fairtrade?
Grosse strukturelle Herausforderungen
Die Zahlen des Coffee Barometer 2026 zeigen zugleich die Bedeutung und die Grenzen freiwilliger Systeme. 2024 arbeitete Fairtrade mit 522 Kaffee-Produzentenorganisationen zusammen, die rund 679'000 kleinbäuerliche Haushalte vertreten. Die Fairtrade-Kaffeeabsätze beliefen sich auf 142'000 Tonnen, rund 2% der globalen Kaffeemengen gemäss International Coffee Organization.
Diese Zahlen machen deutlich: Fairtrade erreicht viele Produzentenorganisationen, doch die strukturellen Herausforderungen im Kaffeemarkt sind grösser als ein einzelnes System lösen kann. Gerade deshalb bleiben verbindliche Regeln, verantwortungsvolle Einkaufspraktiken und transparente Preisinstrumente zentral.
Glaubwürdigkeit braucht unabhängige Prüfung
Der Coffee Barometer kritisiert zudem intransparente Nachhaltigkeitsversprechen und unternehmenseigene Prüfsysteme, die nicht durch eine unabhängige Drittpartei zertifiziert werden. Fairtrade International teilt diese Sorge. Fairtrade ist kein firmeneigenes Beschaffungsprogramm, sondern verbindet öffentlich zugängliche Standards, unabhängige Zertifizierung, transparente Mindestpreise und Prämien sowie die Beteiligung von Produzent:innen an Entscheidungsprozessen.
Für Fairtrade Max Havelaar ist klar: Nur wenn Kaffeebäuer:innen von ihrer Arbeit leben können, sind Investitionen in Produktivität, Qualität und Klimaanpassung möglich. Ein zukunftsfähiger Kaffeesektor braucht verbindliche Regeln, grössere Rechenschaftspflicht und eine fairere Verteilung von Wertschöpfung und Risiken.