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« Gesundheit, Wohlbefinden und Sicherheit der Mitarbeitenden haben höchste Priorität! »

Die Textilfabrik Sags Apparels in Tiruppur ist ein Familienbetrieb. Der heute 46-jährige Ganesh Anantharaman gründete sie im Jahr 2005 zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder. Die gemeinsame Vision: Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als festen Bestandteil des Geschäftsmodells verankern.

Ein Mann in weißem Hemd steht in einer Textilfabrik
Ein Mann in weißem Hemd steht in einer Textilfabrik

Hallo Ganesh, stell dich bitte kurz vor.

Ich bin Gründer, CEO sowie geschäftsführender Gesellschafter von Sags Apparels. 2005 sind wir mit nur drei Mitarbeitenden gestartet. Heute beschäftigen wir mehr als 300 Menschen und exportieren unsere Produkte vor allem nach Europa, insbesondere nach Deutschland.

Rund 90 Prozent unserer Produkte werden aus Bio- und Fairtrade-Baumwolle hergestellt. Nachhaltigkeit stand von Anfang an im Mittelpunkt unserer Arbeit. Unsere Fabrik ist LEED-Platin-zertifiziert und wurde so geplant, dass Gesundheit, Wohlbefinden und Sicherheit der Mitarbeitenden höchste Priorität haben. Darüber hinaus gehören wir zu den Vorreitern im Bereich Net-Zero-Produktion und arbeiten konsequent daran, unseren ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren.

Wie begann dein persönlicher Weg in der Textilindustrie?

Mein Weg war alles andere als gewöhnlich. Ich habe die Schule früh verlassen und meine Karriere 1998 in der Bekleidungsindustrie begonnen. In meiner Familie gab es damals keinerlei Erfahrung in dieser Branche. Auch mein Vater hatte keinen Hintergrund in der Textilindustrie.

Ich begann als Arbeiter in einer Fabrik in Tiruppur. Mein erstes Gehalt betrug 300 Rupien* pro Woche. Ich habe buchstäblich auf dem Fabrikboden angefangen und jeden Schritt des Geschäfts von Grund auf gelernt. Diese Erfahrungen haben mich geprägt und mir gezeigt, dass man mit Ehrgeiz, harter Arbeit und Integrität viel erreichen kann.

Tiruppur ist ein Ort, der Menschen Chancen bietet. Wenn man bereit ist zu lernen und Verantwortung zu übernehmen, kann man wachsen. Genau das habe ich erlebt.

Wie entstand die Idee, Sags Apparels zu gründen?

Vor der Gründung von Sags Apparels waren wir als Handelsvermittler tätig. Wir erhielten Aufträge aus Europa und vermittelten sie an bestehende Hersteller. Dabei haben wir jedoch schnell gemerkt, dass wir nur begrenzten Einfluss auf die Produktionsbedingungen und die Qualität der Produkte hatten.

Wir wollten mehr tun. Unser Ziel war es, Produkte selbst herzustellen und dadurch direkten Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette zu haben. Uns ging es nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch um die Möglichkeit, Menschen positiv zu beeinflussen – sowohl die Beschäftigten als auch die Kundinnen.

Die Gründung von Sags Apparels war deshalb der nächste logische Schritt. Wir wollten ein Unternehmen aufbauen, das Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung nicht als Zusatz versteht, sondern als festen Bestandteil seines Geschäftsmodells.

Was unterscheidet Sags Apparels von anderen Unternehmen der Branche?

Viele kleine und mittelständische Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf hohe Produktionsmengen. Wir haben einen anderen Weg gewählt. Schon früh haben wir uns bewusst auf nachhaltige Bekleidung spezialisiert.

Zu Beginn war das nicht immer einfach. Nachhaltige Produktion war damals noch kein Mainstream-Thema und entsprechende Kunden waren selten. Wir hatten die Überzeugung und die Leidenschaft, aber wir brauchten Partner, die unsere Werte teilen.

Ein entscheidender Meilenstein war die Zusammenarbeit mit der deutschen Marke Brands Fashion GmbH. Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten arbeiten wir erfolgreich zusammen. Diese Partnerschaft basiert auf gemeinsamen Werten, gegenseitigem Vertrauen und dem Wunsch, nachhaltige Textilien unter fairen Bedingungen zu produzieren.

Wie zeigen sich dieser Nachhaltigkeitsfokus und Fairtrade in eurem Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist die Grundlage aller unserer Entscheidungen. Heute werden rund 90 Prozent unserer Produkte aus Bio- und Fairtrade-Baumwolle hergestellt. Gleichzeitig achten wir darauf, Ressourcen möglichst effizient einzusetzen und unsere Umweltbelastung kontinuierlich zu reduzieren.

Unsere Fabrik verfolgt konsequent einen Netto-Null-Ansatz*. Das betrifft Energie, Wasser, Abfall sowie direkte und indirekte Emissionen. Darüber hinaus gehören wir zu den wenigen Produktionsstätten weltweit, die den neuen Fairtrade-Textile-Factory-Standard umsetzen.

Für uns bedeutet Fairtrade mehr als faire Preise oder Zertifikate. Es geht darum, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das den Menschen Respekt, Sicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Was motiviert dich heute nach all den Jahren?

Mich motiviert vor allem die Entwicklung der Menschen, die Teil unseres Unternehmens sind. Wenn ich sehe, wie Mitarbeitende wachsen, ihre Familien unterstützen und die Ausbildung ihre Kinder ermöglichen können, dann zeigt mir das, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ebenso stolz macht mich die Entwicklung unseres Unternehmens. Aus einem kleinen Familienbetrieb mit drei Personen ist ein international tätiges Unternehmen geworden.

Was wünschst du dir die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Sags Apparels weiterhin zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg, soziale Verantwortung und Umweltbewusstsein zusammengehören. Ich möchte beweisen, dass nachhaltige Produktion nicht die Ausnahme sein muss, sondern der Standard werden kann.

Gleichzeitig hoffe ich, dass wir weiterhin mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten, die unsere Werte teilen. Nur gemeinsam können wir die Textilindustrie Schritt für Schritt nachhaltiger gestalten.

*entsprach 1998 ca. 6-7 Euro

 

*Netto-Null bedeutet, dass alle durch Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden müssen.