Kakao-Preiseinbruch in Côte d’Ivoire: Schweizer Schokoladenbranche muss Verantwortung übernehmen
Der staatlich festgelegte Kakaopreis in Côte d’Ivoire bricht zum Start der neuen Haupterntesaison um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Für viele Kakaobauernfamilien bedeutet dies einen massiven Einkommensverlust. Fairtrade Max Havelaar fordert die Schweizer Schokoladebranche deshalb auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und freiwillig höhere Preise zu bezahlen.
Côte d’Ivoire ist der weltweit wichtigste Produzent von Kakao. Der Preis, den Kakaobäuer:innen aus Côte d’Ivoire für ihre Ernte erhalten, wird staatlich festgelegt. Dieser wurde zum Start der neuen Hauptsaison nun auf EUR 2850.61 pro Tonne festgelegt. Zu Beginn der vergangenen Hauptsaison waren es noch mehr als das Doppelte. Der Kakao-Weltmarktpreis beträgt aktuell etwa EUR 5100.
Dieser starke Preisrückgang trifft Bauernfamilien hart. Sie sind bereits mit hohen Produktionskosten, niedrigen Erträgen und den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Während ihre Einnahmen nun deutlich sinken, bleiben die Kosten für den Betrieb ihrer Farmen und den Lebensunterhalt weitgehend bestehen. Für viele Kakaobauernfamilien verschärft das ihre finanziell ohnehin angespannte Situation zusätzlich.
«Ein Preisrückgang von 57 Prozent innerhalb eines Jahres ist für Kakaobauernfamilien enorm. Ihre Lebenshaltungskosten und die Kosten für den Betrieb ihrer Farmen sinken nicht. Gerade nach den extremen Preisschwankungen der vergangenen Jahre braucht es mehr Verlässlichkeit am Anfang der Lieferkette. Unternehmen, die langfristig Kakao beziehen wollen, müssen sicherstellen, dass die Menschen, die ihn produzieren, von ihrer Arbeit leben können», sagt Fabian Waldmeier, CEO von Fairtrade Max Havelaar.
Fairtrade-Mindestpreis mildert Preiseinbruch
Für Fairtrade-zertifizierte Kakaobäuer:innen greift jetzt das bewährte Fairtrade-Sicherheitsnetz: Da der neu festgelegte Preis für Kakao aus Côte d’Ivoire unter dem Fairtrade-Mindestpreis liegt, müssen Abnehmer von Fairtrade-Kakao den höheren Fairtrade-Mindestpreis bezahlen. Dieser wurde von Fairtrade erst kürzlich erhöht und beträgt EUR 3200 pro Tonne. Aktuell erhalten Fairtrade-Kooperativen in Côte d’Ivoire deshalb EUR 349,39 zusätzlich pro Tonne Kakao.
Hinzu kommt die Fairtrade-Prämie, die unabhängig vom Marktpreis bezahlt werden muss. Sie beträgt EUR 250 pro Tonne. Insgesamt erhalten Fairtrade-zertifizierte Kooperativen somit etwa EUR 600 mehr als nicht zertifizierte Kooperativen. Von diesen zusätzlichen Mitteln können die Kooperativen EUR 150 in gemeinsame Projekte investieren, EUR 450 müssen an die Bäuer:innen ausbezahlt werden. Das sind substanzielle Mittel zur Abfederung dieses Preisschocks, die nicht-zertifizierte Bäuer:innen nicht haben. Und dazu zählt die grosse Mehrheit der Bäuer:innen in Côte d’Ivoire.
Appell an die Schweizer Kakao- und Schokoladebranche
Fairtrade Max Havelaar fordert deshalb auch Unternehmen ausserhalb des Fairtrade-Systems zum Handeln auf. Sie sollen freiwillig höhere Preise bezahlen und damit dazu beitragen, die Auswirkungen des aktuellen Preisrückgangs auf die Produzent:innen abzufedern.
«Unser Appell richtet sich an die gesamte Schweizer Schokoladenbranche. Auch Unternehmen, die nicht mit Fairtrade arbeiten, können jetzt ein Zeichen setzen und mindestens ein Preisniveau entsprechend dem Fairtrade-Mindestpreis und Prämie gewährleisten. In einer solchen Situation braucht es Solidarität und langfristige Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette», sagt Waldmeier.
Stabilere Einkommen für Kakaobäuer:innen sind dabei nicht nur eine soziale Frage. Sie sind auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kakao langfristig angebaut wird und die Lieferketten der Schokoladenindustrie resilient bleiben.