Was würde sich verändern, wenn Frauen in der Landwirtschaft die gleichen Chancen hätten?
Fast eine Billion US-Dollar mehr für die Weltwirtschaft und 45 Millionen Menschen weniger, die von Ernährungsunsicherheit betroffen wären: So gross könnte das Potenzial von mehr Gleichberechtigung in Agrar- und Ernährungssystemen sein. Doch was braucht es, um dieses Potenzial zu nutzen?
Frauen bauen Kakao an, ernten Kaffee und pflücken Tee. Sie leisten weltweit einen wichtigen Beitrag zur Landwirtschaft und zur Ernährungssicherheit. Doch beim Zugang zu Land, Krediten, Technologie und Mitbestimmung sind sie vielerorts weiterhin benachteiligt.
Das Potenzial ist enorm: Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnten gleiche Chancen für Frauen die Wirtschaft stärken und die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen verbessern. Entscheidend dafür ist, bestehende Unterschiede bei Produktivität und Löhnen abzubauen.
Wie lässt sich dieses Potenzial ausschöpfen – und welchen Beitrag kann Fairtrade dazu leisten?
Frauen leisten viel – haben aber weniger Möglichkeiten
Diese Ungleichheiten wirken sich unmittelbar auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Frauen aus. Wer weniger Zugang zu Ressourcen und Entscheidungen hat, kann das Potenzial des eigenen Betriebs oft nicht vollständig ausschöpfen.
Die Folgen reichen weit über einzelne Betriebe hinaus: Sie beeinflussen Einkommen, wirtschaftliche Selbstbestimmung und die Ernährungssicherheit ganzer Gemeinschaften.
Gleiche Chancen. Mehr Möglichkeiten.
Wenn Frauen besseren Zugang zu Ressourcen haben, können sie ihre Betriebe weiterentwickeln und mehr Einkommen erzielen.
Gleichberechtigung in der Landwirtschaft bedeutet zum Beispiel:
- Frauen können Land besitzen oder nutzen.
- Sie erhalten Zugang zu Krediten und Technologie.
- Sie können an Schulungen teilnehmen.
- Ihre Arbeit und ihr Wissen werden sichtbar.
- Sie entscheiden in Betrieben und Organisationen mit.
- Sie erzielen eigenes Einkommen und bestimmen selbst über dessen Verwendung.
Das stärkt nicht nur einzelne Frauen. Es kann auch Familien, Gemeinschaften und Agrarsysteme widerstandsfähiger machen.
Was Fairtrade dazu beiträgt
Fairtrade schafft mit Standards, Mindestpreisen und der Fairtrade-Prämie Grundlagen für bessere Arbeits- und Handelsbedingungen.
Zusätzliche Programme setzen gezielt bei Einkommen, Wissen und Mitsprache an:
Das Projekt «Growing Women in Coffee»
Das Fairtrade-Projekt «Growing Women in Coffee» stärkt Kaffeebäuerinnen in Kenia: 300 Frauen erhielten eigene Kaffeesträucher, wurden geschult und konnten so ihre Erträge steigern und ein unabhängiges Einkommen erzielen. Mit «Zawadi» brachten sie zudem ihren eigenen Kaffee auf den Markt.
Die Women's School of Leadership
Die Women’s School of Leadership unterstützt Frauen dabei, Führungsqualitäten zu entwickeln und sich für mehr Gleichberechtigung einzusetzen.
Salimata, Kakaobäuerin und Absolventin der Women’s School of Leadership in Côte d’Ivoire, sagt: «Früher wurden Frauen ignoriert; wir wussten nicht, dass wir Potenzial hatten. Heute gelingt es mir, immer mehr Menschen zu überzeugen, dass die Stärkung der Frauen allen zugutekommt.»
Gleiche Chancen verändern mehr als einzelne Leben
Die Berechnungen der FAO zeigen, wie gross das wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenzial von mehr Gleichberechtigung in Agrar- und Ernährungssystemen ist. Doch hinter diesen Zahlen stehen Frauen, die Zugang zu Land erhalten, ein eigenes Einkommen erwirtschaften und über ihre Zukunft mitentscheiden können.
Projekte wie «Growing Women in Coffee» und die Women’s School of Leadership zeigen, wie Fairtrade Frauen dabei unterstützt, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern und ihre Mitbestimmung zu stärken.
Denn wenn Frauen die gleichen Chancen erhalten, profitieren nicht nur sie selbst. Auch ihre Familien, Gemeinschaften und ganze Ernährungssysteme können dadurch gestärkt werden.