Warum wächst Zuckerrohr in Bad Bunnys Halftime-Show?
Bad Bunnys Auftritt beim Super Bowl 2026 feiert Lateinamerikas Kultur und den historischen Zuckerrohranbau. Er rückt die Menschen hinter den Rohstoffen ins Rampenlicht und zeigt, wie wichtig es ist, sich bewusst zu machen, woher das, was wir konsumieren, wirklich kommt.
Der Auftritt des Superstars beim Super Bowl an diesem Wochenende wird bereits als einer der besten aller Zeiten gehandelt. Vorläufigen Schätzungen zufolge gehört er auch zu den meistgesehenen Shows – mit etwa 130 Millionen Zuschauer:innen.
Die Show beginnt mit einer Panoramaaufnahme eines riesigen Zuckerrohrfelds, auf dem Menschen in weissen Kleidern und Strohhüten mit Macheten zwischen den Reihen arbeiten.
Aber warum Zuckerrohr?
Bad Bunny stammt aus Puerto Rico, wo der Zuckerrohranbau lange Zeit eine der absolut wichtigsten Kulturen war. Während grosser Teile der Kolonialzeit und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts dominierte Zuckerrohr die Wirtschaft der Insel. Gleichzeitig sind Zuckerrohrplantagen in der Karibik historisch eng mit Kolonialismus und Sklaverei verbunden, da europäische Kolonialmächte grosse Plantagen mit Sklavenarbeitskräften aufgebaut hatten, um Zucker für den Export zu produzieren.
Indem Bad Bunny das Stadion des Super Bowl in ein Zuckerrohrfeld verwandelt, tut er etwas, das nur wenige andere Weltstars zuvor gemacht haben: Er rückt die manuelle Landwirtschaft – ein zentraler Bestandteil der Wirtschaft und Geschichte vieler Länder – als ein Erbe in den Vordergrund, auf das man stolz sein kann.
Dies ist eine willkommene Unterbrechung der sonst vorherrschenden Konsumkultur, die uns oft dazu bringt, zu übersehen, woher, wie und von wem unsere Lebensmittel tatsächlich produziert werden.
Wo wird Zuckerrohr angebaut?
Zuckerrohr ist eine robuste, anpassungsfähige Pflanze, die warme, feuchte Klimazonen liebt – insbesondere tropische und subtropische Regionen. Daher wird Zuckerrohr in grossen Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas angebaut.
Heute ist Brasilien der weltweit grösste Produzent von Zuckerrohr, während der Anbau in Puerto Rico praktisch eingestellt wurde.
Wie wird Zuckerrohr angebaut?
Zuckerrohr wird häufig in grossflächigen Monokulturen angebaut, in denen die gleiche Pflanze über Jahre hinweg auf riesigen Feldern wächst. Monokulturen können hohe Erträge bringen – sind aber anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, da die biologische Vielfalt gering ist. Optisch entspricht der Zuckerrohranbau in Bad Bunnys Halftime-Show sehr stark der realen Praxis: lange, symmetrische Reihen der hohen, grasähnlichen Pflanze. Zuckerrohr wird oft manuell mit Macheten geerntet, genau wie die Strohhut-tanzenden Performer:innen es zeigen. In Brasilien und anderen grossen Produktionsländern kommt je nach Region und Anbausystem auch maschinelle Ernte zum Einsatz.
Wer baut Zuckerrohr an?
Zuckerrohr wird sowohl klein- als auch grossflächig angebaut, global dominiert jedoch die industrielle Produktion. Das bedeutet, dass grosse multinationale Unternehmen Arbeitskräfte für die Ernte beschäftigen. So sah die Produktion auch in Puerto Rico bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts aus, als sie stark zurückging. Grossflächige Zuckerproduktion ist noch heute oft mit sklavenähnlichen Bedingungen, Zwangsarbeit und Kinderarbeit verbunden.
In einigen Ländern dominiert jedoch die kleinbäuerliche Produktion – hier schliessen sich die Produzent:innen zu Kooperativen zusammen und besitzen sowohl das Land als auch Teile der Verarbeitungskette selbst. Diese Organisationen werden von Fairtrade zertifiziert und bieten oft bessere Arbeitsbedingungen, mehr Einfluss für die Produzent:innen und nachhaltigere Anbaumethoden.
Weltweit umfasst Fairtrade knapp 45.000 kleinbäuerliche Zuckerrohrproduzent:innen in Fairtrade-zertifizierten Kooperativen (Stand 2022).
Einer von ihnen ist Melanio Alfaro aus Costa Rica:
„Zuckerrohr anzubauen ist eine Herausforderung. Es ist nicht einfach, und die Kosten für alles, was wir brauchen, sind stark gestiegen. Dank der Fairtrade-Prämie erhalten wir jedoch einen zusätzlichen Bonus zum Preis, der zuletzt ebenfalls gestiegen ist“, sagt Melanio Alfaro.